Fernseh-Reportage widmet sich dem sterbenden Stendaler Wohngebiet Süd

Hoffnungslos im leeren kalten Wohnblock

Von Thomas Pusch

Stendal l Das Schicksal eines Paares in der Plattenbausiedlung Süd beleuchtet der MDR in einer Reportage. Gut 150 Menschen wohnen noch in dem Stadtteil, der laut einem Stadtratsbeschluss von 1999 "nicht mehr weiterentwickelt" wird. Das heißt, Häuser werden abgerissen, Mietern alternative Wohnungsangebote unterbreitet. Doch manche von ihnen blieben.

So wie Carola Sch. und ihr Lebensgefährte Andreas W., die Anett Wundrak in deren Wohnung in der Hanseallee 14 traf. Das Haus wurde auf Veranlassung des Vermieters vor Monaten freigezogen, alle Mieter in anderen Wohnungen in Süd untergebracht. An jeder Tür prangt ein Schild: Betreten verboten. Lebensgefahr.

Trotzdem wohnen die beiden mit Wissen des Hausmeisters noch in dem Haus. Es ist so kalt in der Wohnung, dass man den Atem sieht. Die 53-jährige Carola ist verzweifelt. Auch sie hat zwar eine Wohnung ein paar hundert Meter weiter bekommen, aber Andreas ist nicht in der Lage aufzustehen. Er schafft den Weg in die Lemgoer Straße nicht.

Stadt bleibt auf ihren Kosten sitzen

Die Stadt muss für die öffentliche Sicherheit sorgen. Herumliegende zerbrochene Fenster, offene Kellerschächte, ungesicherte leer stehende Häuser - all das sind Gefahrenquellen. Klaus Ortmann, Pressesprecher der Stadt und Hans-Jürgen Borstel, Leiter des Bauaufsichtsamtes, erzählen, dass sie Kellerfenster mit ausrangierten Verkehrsschildern verschließen lassen und den Abtransport von gefährlichem Bauschutt veranlassen - zunächst auf Kosten der Stadt. Natürlich wird man den Eigentümern der Häuser diese Leistungen in Rechnung stellen, aber erfahrungsgemäß erfolgt von denen keine Reaktion. Auch Anett Wundrak gelingt es nicht, Kontakt aufzunehmen.

Feuerwehr soll alarmiert werden

Vollkommen überrascht sind die Vertreter der Stadtverwaltung, als sie von der Situation des Paares erfahren, aber selbst können sie sich kein Bild machen, denn der Zugang ist verriegelt. Klingeln können sie nicht, denn der Strom im Haus wurde schon lange abgeklemmt.

Nachdem die Stadtvertreter ankündigen, die Feuerwehr zu alarmieren, um die beiden letzten Mieter aus dem Haus zu holen, ergreift der Hausmeister selbst die Initiative und ruft per Telefon einen Krankenwagen. Wenig später wird Andreas W. ins Krankenhaus gebracht. Hausmeister Lothar N. begleitet Carola Sch. in die Lemgoer Straße.

Die Reportage wird am heutigen Dienstagabend in der MDR-Sendung "Exakt", 20.15 Uhr, gezeigt.