Magdeburg/Halle (dpa) l Die Ergebnisse einer Saisonumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) in Sachsen-Anhalt zeigen die miserable Lage der Tourismuswirtschaft angesichts der Corona-Pandemie. Obwohl sich die Lage in den Sommermonaten leicht erholt habe, sei das Geschäftsklima in der Gastronomie in den vergangenen zehn Jahren noch nie so schlecht gewesen wie jetzt, teilte die IHK-Landesarbeitsgemeinschaft am Dienstag mit. In der Reisebranche sei der Geschäftsklimaindex, der die aktuelle Stimmungslage widerspiegelt, eingebrochen und erreichte einen Negativrekord von elf Punkten auf einer Skala von 0 bis 200. Auch die Erwartungen an die Zukunft seien düster.

Insgesamt wurden im September und Oktober rund 700 Gastronomen, Hoteliers, Reisebüros und -veranstalter im Land befragt, 363 Unternehmen haben demnach geantwortet. "Die Ergebnisse machen deutlich, wie sehr Gastgewerbe und Reisewirtschaft bereits vor dem November-Lockdown mit den Folgen der Coronakrise zu kämpfen hatten", erklärte die Geschäftsführerin Starthilfe und Unternehmensförderung der IHK Halle-Dessau, Antje Bauer.

Der Umfrage zufolge erwartet jeder fünfte Gastwirt und jeder siebte Hotelier einen Umsatzrückgang um mehr als 50 Prozent. Ein normales Geschäft auf "Vor-Corona-Niveau" erwarteten 19 Prozent der gastgewerblichen Unternehmen im zweiten Halbjahr 2021 und 21 Prozent erst im übernächsten Jahr. "Jeder siebte Gastwirt glaubt sogar überhaupt nicht mehr daran", sagte Bauer.

In der Reisebranche erwarteten fast alle Unternehmen für das laufende Jahr starke Umsatzrückgänge oder einen kompletten Ausfall. Ein Viertel der Befragten rechne nicht mehr damit, zukünftig überhaupt jemals zum normalen Geschäft zurückzukehren. Gut ein Drittel erhoffe sich das ab dem Jahr 2022. Ein weiteres Viertel wage gar keine Prognose, teilte die Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Sachsen-Anhalt weiter mit. Sie vertritt eigenen Angaben zufolge die Interessen von rund 110.000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Sachsen-Anhalt.

Wichtig sei, dass die versprochenen Hilfen schnell an die Unternehmer ausgezahlt werden, damit die Talfahrt abgefedert werden könne, forderte der Geschäftsführer Industrie und Infrastruktur der IHK Magdeburg, André Rummel. Die aktuelle Finanzlage sei geprägt von Eigenkapitalrückgang, Liquiditätsengpässen und Forderungsausfällen.