Der Impfstoff für Säuglinge wird knapp. Wenn Eltern ihren Nachwuchs deshalb nicht impfen lassen können, sind sie zu Recht ungehalten. Es wäre ein falsches Signal, wenn Gesundheitsexperten jetzt sagen würden: Halb so schlimm, in zwei Monaten gibt es wieder Impfstoff. Denn es wird ja ständig auf die Notwendigkeit dieser Kinderschutzimpfungen hingewiesen.

Verärgert mit dem Finger nun in Richtung Flüchtlinge zu zeigen, ist aber verkehrt. Und es ist auch nicht so, dass die Zeitung sich nicht trauen würde, die Verantwortung in diese Richtung deutlicher herauszustellen. Wenn der befragte Arzt, die Hygiene-Fachfrau und die Apotheker beim Stichwort „Flüchtlinge“ unabhängig voneinander abwinken, dann tun sie das nicht, weil sie Flüchtlinge verteidigen wollen. Sondern weil sie das Problem von Impfstoff-Engpässen seit vielen Jahren kennen. Der Spardruck bei Kassen und Hersteller sorgt für zu knapp bemessene Produktionsmengen – mit und ohne Flüchtlinge. Das ist die Ursache des Engpasses.