Halle (Saale) l Als die Mitarbeiterin des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby an diesem Mittwoch am Bürgerbüro in Halle eintirfft, traut sie ihren Augen kaum. "Ich habe direkt die fünf Einschusslöcher gesehen", sagte die Mitarbeiterin gegenüber der Volksstimme. Sie habe daraufhin sofort die Polizei verständigt. Die Stimmung im Büro an diesem Tag? "Natürlich gedrückt. Das ist eine neue Form der Aggression, die wir so hier noch nicht erlebt haben."

Die Mitarbeiterin verständigt ihren Chef. Karamba Diaby, seit 2013 SPD-Bundestagsmitglied, weilt zu diesem Zeitpunkt in Berlin. "Ich verurteile diese Tat aufs Schärfste", sagte Diaby. Auch er spricht von einer neuen, "schrecklichen Dimension der Auseinandersetzung". Diese habe sich vor allem in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland stark verändert. "Es wird nicht mehr demokratisch diskutiert."

Nach ersten Erkenntnissen sollen Unbekannte auf mehrere Gebäude in Halle geschossen haben. Fünf Kugeln trafen das Bürgerbüro von Diaby. Projektile wurden nicht aufgefunden. Polizei und Staatsschutz ermitteln.

Nach seiner letzten Plenarrede im Bundestag am 20. Dezember habe er vermehrt "heftige Beleidigungen und Drohungen" erhalten, sagte Diaby. "Unter anderem wurde mir gesagt, ich sei kein deutscher Vertreter".

Ausgangspunkt für Diabys letzten Redebeitrag war eine von der AfD anberaumte Aktuelle Stunde im Bundestag zum Thema „Das Globale Flüchtlingsforum in Genf und ein Grundrechtekatalog für Menschen mit afrikanischer Abstammung“. Diaby sprach in seiner Rede vor allem über die Einwanderungsgeschichte der rund eine Million Afrikaner und mahnte die AfD dazu, die eigenen Hausaufgaben zu machen und sich mit der Geschichte, vor allem mit der Versklavung und dem Völkermord während des deutschen Kolonilaismus, auseinanderzusetzen. Er sagte damals: "Es ist unerträglich, dass die einzige Antwort der AfD auf globale Herausforderungen immer Ausgrenzung ist."

Heute, knapp drei Wochen später und am Tag, an dem jemand Schüsse auf sein Büro abgefeuert hat, sagt Diaby: "Wir, die mündigen Bürger, müssen gegen jegliche Form dieser Auseinandersetzung, die Gewalt beinhaltet und unsere Demokratie gefährdet, laut werden. Wir müssen uns fragen: In was für einem Land wollen wir leben?"

Der Vorsitzende des SPD-Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Burkhard Lischka, erklärte in einer Mitteilung: „Mit Gewalt gegen Andersdenkende vorzugehen, ist immer zu verurteilen. Der Versuch, mit einer solchen Tat einen frei gewählten Abgeordneten und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuschüchtern, ist ein Angriff auf das Herz der Demokratie."