Das West-Nil-Virus

Bereits seit 1937 ist das West-Nil-Virus (WNV) bekannt. Es kommt sowohl in tropischen als auch gemäßigten Gebieten vor. Vom Virus werden vor allem Vögel infiziert. Eine Virusübertragung kann über Mücken erfolgen. Auch Pferde und Menschen können von einer WNV-Infektion betroffen sein.

Der Mensch und das Pferd gelten aber als so genannte Fehlwirte. Das heißt: Mücken können von ihnen nicht das Virus weiter übertragen. WNV-Infektionen verlaufen bei Menschen überwiegend (80 Prozent) symptomlos. In weniger als ein Prozent der Fälle kam es Todesfällen – in Deutschland bislang aber noch nicht. Im Gegensatz dazu sind bestimmte Vogelarten sehr empfänglich für MNV, so dass es zu massiven Epidemien mit Todesfällen bei Vögeln kommen kann.

Im August 2018 wurde WNV erstmals in Sachsen-Anhalt festgestellt. Betroffen war eine Bartkreuz-Eule aus dem Zoo in Halle. Quelle: Loeffler-Institut

Magdeburg l In Sachsen-Anhalt sind in diesem Jahr bereits 13 Fälle des West-Nil-Virus nachgewiesen. Das teilte das Landesamt für Verbraucherschutz am Freitag mit. Das Virus hat den deutschen Winter damit offensichtlich nicht nur überlebt. Es breitet sich auch aus. 2018 hatten Experten das Virus im Land bei fünf Vögeln und einem Pferd nachgewiesen. In diesem Sommer sind es bis jetzt zehn Vögel und drei Pferde.

Betroffen ist in Sachsen-Anhalt vor allem die Region Halle. Im Bergzoo der Stadt war im Sommer 2018 ein Bartkauz verendet, bei dem Experten das Virus anschließend erstmalig in Deutschland nachweisen konnten. Nun ist neben dem Tierpark Wittenberg auch der Magdeburger Zoo betroffen. Zwei Schneeeulen sind dort an dem Virus gestorben.

Virus durch Mücken übertragen

Eulen sind besonders anfällig für das Virus, das durch Mücken übertragen wird. Deswegen habe der Zoo Magdeburg seine Eulenvögel mit einem mückenabweisenden Präparat eingesprüht, berichtet Zootierarzt Niels Mensing, allerdings mit Ausnahme zweier junger Schneeeulen. Deren Immunsystem sei nicht ausgeprägt genug für das toxische Präparat, erläutert Mensing. Eben diese beiden Eulen sind nun tot.

Pferde können mit einer Impfung geschützt werden. Im Zoo Magdeburg sind laut Mensing alle pferdeartigen Tiere, wie etwa Zebras, gegen das Virus geimpft.

Untersucht werden tote Tiere mit Verdacht auf West-Nil-Virus am Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald. Instituts-Sprecherin Elke Reinking betont, „es kommen täglich neue Proben rein“. Aktuell sind deutschlandweit 42 Fälle nachgewiesen, im vergangenen Jahr waren es zwölf. Menschen erkranken in Europa vor allem in südlichen und östlichen Ländern am West-Nil-Fieber. In diesem Jahr starben in der EU bisher 20 Menschen an dem Virus.

Rund 50 Fälle in Sachsen-Anhalt

Eng verwandt mit dem West-Nil-Virus ist das Usutu-Virus, auch als Amsel-Virus bekannt, weil vor allem Amseln daran sterben. Laut Statistik des Naturschutzbundes (Nabu) ist es in diesem Sommer deutschlandweit bisher nur bei etwa 4000 Tieren nachgewiesen worden. 2018 waren es noch mehr als drei Mal so viele. Für Sachsen-Anhalt weist der Nabu in diesem Jahr bisher rund 50 Fälle aus.