Magdeburg l Am Montagmorgen hatten die Influenza-Viren in der brechend vollen Kinderarzt-Praxis am Domplatz in Magdeburg Hochkonjunktur. Anderswo bot sich ein ähnliches Bild: Die Grippewelle hat vor allem die Kleinsten im Land erwischt. „Wir sind mittendrin in der Grippewelle, und der Höchstpunkt ist längst noch nicht erreicht“, erklärt Kinderarzt Dr. Gunther Gosch. Er bestätigt zudem den Trend: „Derzeit suchen vor allem Eltern mit grippeerkrankten Kleinkindern die Praxen auf.“ Bei den Schulkindern habe sich die Lage durch die Ferienwoche etwas entspannt, „aber ich gehe davon aus, dass auch in dieser Altersgruppe die Fälle stark zunehmen werden“.

Nach Angaben des Landesamtes für Verbraucherschutz wurden bislang in der Grippesaison 2018/19 insgesamt 3379 Fälle gemeldet – seit Jahresbeginn sind es 3339. Das sind weniger im Vergleich zum Vorjahr (4725), als die Grippewelle am Ende verheerende Ausmaße annahm: Über 25.000 Patienten in Sachsen-Anhalt waren erkrankt, 81 starben an den Folgen einer Influenza-Infektion. In Sachsen-Anhalt sind bislang zwei Grippeerkrankte verstorben - eine 33-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann.

Allerdings nimmt auch die diesjährige Grippewelle erst jetzt richtig Fahrt auf. Das belegt die aktuelle Statistik. Danach erkrankten allein in der 7. Meldewoche (11. bis 17. Februar) 1342 Sachsen-Anhalter neu an Grippe. Fast die Hälfte davon waren Kinder im Alter von 1 Monat bis 17 Jahren (609). Vom Süden zum Norden hin nimmt die Verteilung im Land ab: Während die Kitas im Landkreis Anhalt-Bitterfeld 172 grippekranke Kinder meldeten, waren es in Halle 157, in Magdeburg 85, im Altmarkkreis Salzwedel dagegen nur 24.

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Ein Grund für den hohen Anteil an Kleinkindern sieht Gosch in der geringen Durchimpfungsrate: „Die ist in dem Altersbereich mit gerade mal vier Prozent katastrophal. Dabei kann ein Kind ab sechs Monaten gegen Grippe geimpft werden. Und wir Ärzte in Sachsen-Anhalt raten über die Empfehlung der Ständigen Impfkommission hinaus auch dazu.“ Eine Impfung sei nach wie vor für alle der beste Schutz, so der Impfexperte: „Und sie ist auch jetzt noch sinnvoll, denn die Grippewelle kann bis in den April hineinreichen.“