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Insolventer Airport Drohnen sollen Cochstedt retten

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt verhandelt über den Kauf des insolventen Airports Cochstedt.

10.11.2017, 23:01

Cochstedt l Die Gespräche zwischen Vertretern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Insolvenzverwalter sowie den Eigentümern des Airports sind weit fortgeschritten. In den vergangenen Wochen hat es nach Informationen der Volksstimme bereits mehrere Treffen gegeben. Die Verhandlungen will das DLR derzeit noch nicht bestätigen, zu heikel sind die Gespräche mit dem Eigentümer des Flughafens. Umstritten ist vor allem die Höhe des Kaufpreises: Der dänische Besitzer des Airports soll einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag verlangen.

Die Forscher haben folgendes Angebot auf den Tisch gelegt: Wie die Volksstimme erfuhr, möchte das DLR den Flughafen kaufen und in Cochstedt ein Testzentrum für unbemannte Flugkörper, sogenannte Drohnen, aufbauen. Federführend bei den Gesprächen ist das Institut für Flugsystemtechnik am DLR-Standort Braunschweig.

Der Airport Cochstedt ist seit Frühjahr 2016 insolvent. Nach der Pleite hatte das Landesverwaltungsamt die Betriebserlaubnis des Flughafens ausgesetzt. Zuletzt hatte die Behörde dem Eigentümer bei der Suche nach einem Investor jedoch immer wieder mehr Zeit eingeräumt. Die Fristverlängerungen sollten dem Airport ein wichtiges Argument bei der Suche nach einem neuen Geldgeber erhalten: In Cochstedt dürfen 24 Stunden am Tag Maschinen starten und landen. Der Stand-by-Betrieb kostet den dänische Eigentümer Airport Development jeden Monat rund 50.000 Euro.

Gegenüber der Volksstimme bestätigte der Aufsichtsratsvorsitzende Gespräche mit Interessenten. Dieter Vornhagen sagte: „Auf unserem Tisch liegen 20 konkrete Anfragen aus dem In- und Ausland.“ Weitere Details nannte er nicht. Airport Development hatte den Flughafen 2010 vom Land gekauft. Danach habe sein Unternehmen rund 30 Millionen Euro in den Ausbau gesteckt, sagte Vornhagen. Einen Teil des Geldes wollen die Dänen nun wiedersehen.

Im Land Sachsen-Anhalt stößt ein mögliches Engagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt auf ein positives Echo. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte der Volksstimme, er würde einen Kauf durch das DLR „ausdrücklich begrüßen“. „Cochstedt zu einem Zentrum für die Erprobung neuer Flugkörper auszubauen, würde eine hochinteressante Nutzungsmöglichkeit darstellen.“

Insbesondere würde der Einstieg des DLR auch den Wissenschaftsstandort nachhaltig stärken, so der Minister. Sollte es zu einem Engagement des DLR in Cochstedt kommen, könne das Land vielfältige Unterstützung anbieten. Für die Forschungsförderung hatte Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren zahlreiche Programme ins Leben gerufen.

Für das DLR wäre Cochstedt kein Neuland. Bereits seit einigen Jahren nutzen die Wissenschaftler aus Braunschweig den Airport für Testflüge. Bisher stand vor allem im Fokus, den Treibstoffverbrauch von Passagierflugzeugen zu senken. Dass die Forscher dort bald Drohnen testen könnten, ist auch für die Flugzeugschmiede XtremeAir eine gute Nachricht.

Unweit der Start- und Landebahn stellt die Firma Kunstflugzeuge her. Ein neuer, zuverlässiger Partner, der für einen dauerhaften Flugbetrieb am Airport sorgt, würde das Überleben der Manufaktur langfristig sichern.