Magdeburg l Das Landesverwaltungsamt (Halle) hat Gas- und Stromverträge des Landessportbundes geprüft. In einem internen 14-seitigen Schreiben kommt die Behörde zum Ergebnis: Der LSB hat in mehreren Fällen eine öffentliche Ausschreibung der Leistungen umgangen und somit gegen Vergabevorschriften verstoßen. Das Verwaltungsamt will zunächst mehrere zehntausend Euro zurückfordern. Davon betroffen ist auch die Landessportschule in Osterburg (Landkreis Stendal).

Der LSB suchte 2017 neue Lieferanten für Strom und Gas. Vertragsbeginn: Januar 2018. Beauftragt wurde ein Leipziger Energiedienstleister. Dieser wiederum forderte Energieerzeuger auf, Angebote abzugeben. Dieses Verfahren hält auch der Bund der Steuerzahler für unzulässig. Vorstandsmitglied Ralf Seibicke sagte, die Leistungen hätten insgesamt betrachtet sogar europaweit ausgeschrieben werden müssen.

LSB weist Vorwürfe zurück

Stattdessen seien Aufträge aber quasi freihändig vergeben worden. „Das ist ein gravierender Vorgang, den wir sehr kritisch bewerten“, sagte Seibicke. Immerhin gehe es um Geld der Steuerzahler. Vor allem das Sportministerium müsse den Vorwürfen nachgehen und Konsequenzen ziehen. Dort wird, so ist zu hören, die Angelegenheit auch sehr kritisch gesehen. Der Finanzausschuss des Landtags hat das Ministerium aufgefordert, bis zum 8. Mai 2019 einen Bericht vorzulegen.

Der Sportbund weist die Vorwürfe als „nicht gerechtfertigt“ zurück. Der Abschluss der Verträge sei „korrekt“ erfolgt, heißt es in einer Stellungnahme. Mit der Beauftragung des Energiedienstleisters habe sich unter drei Bietern das „als am besten geeignete Unternehmen“ durchgesetzt.

Mit Blick auf die Sportschule meint der LSB, die vom Verwaltungsamt avisierte Rückforderung von 23.394,44 Euro wäre selbst bei einem möglichen Vergabeverstoß „unverhältnismäßig“. Der LSB bittet, eine „Teilrücknahme der Fördermittelbescheide zu überdenken“. Denn: Eine Rückforderung würde für den LSB zu „erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen, da wir als gemeinnütziger Verein über eine eingeschränkt Liquididät verfügen“.

Silbersack tritt zurück

Gerade erst hat der Landesrechnungshof kritisiert, dass der LSB Auflagen aus einer Konsolidierungsvereinbarung mit dem Land nicht erfüllt habe. Die Kassenprüfer empfahlen dem Landtag, den zukünftigen Ausgaben- und Personalaufwuchs des Sportbundes „sehr kritisch“ zu begleiten. Der eigentlich bis 2022 gewählte LSB-Präsident Andreas Silbersack hatte unlängst seinen Rücktritt bereits zum November 2019 erklärt.

Unter dem Dach des LSB sind etwa 350.000 Sportler aus knapp 3100 Vereinen organisiert.