Magdeburg l Mit einer Schachtel „Merci“ habe sich der angebliche Franzose immer höflich bei seinen Nachbarn eines Bernburger Mehrfamilienhauses im leichten französischen Akzent für das Annehmen der Pakete bedankt.

Doch vor Gericht erklärte der angebliche „Pierre Lemounte“ im tiefsten mansfeldischen Dialekt: „Ich bin froh, dass ich überhaupt mein Handy bedienen kann.“ Was man ihm da alles vorwerfe, sei „von den anderen“ eingefädelt worden. Zwei angebliche Bekanntschaften hatten ihn wohl erpresst. Er kenne aber keine Adressen und wisse auch nur, dass einer „Zlatko“ und der andere „Kunsche oder so“ hieße.

Oberstaatsanwältin Irina Wolf kauft ihm das aber nicht ab. Sie wirft Lars F. gewerbsmäßigen Betrug vor. Dafür drohen im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Der 43-jährige arbeitslose Hausmeister und gelernte Konditor soll mindestens 429 Ebay-Kunden mit einer ausgefuchsten Masche um ihr Geld gebracht haben: Im März 2018 mietete er demnach mit einem gefälschten französischen Ausweis, aber echten Passbild, eine Wohnung in Bernburg. Zuvor hatte er den Vorwürfen nach, ebenfalls mit den falschen Personalien, zunächst ein Geschäftskonto eröffnet und 25.000 Euro Eigenkapital für eine GmbH-Gründung darauf eingezahlt. Anschließend ließ er sich auf diese Personalien die Firma Lemounte IT GmbH vom Notar besiegeln. Zunächst wickelte der 43-Jährige die ersten 200 Geschäfte ordnungsgemäß ab. Er kaufte und verkaufte Computerartikel, so dass er an die nötigen positiven Bewertungen bei „ebay“ kam. „Damit war der Zwang für die sichere Abwicklung per PayPal nicht mehr gegeben“, erklärt die Oberstaatsanwältin.

Jetzt konnte sich Pierre Lemounte, alias Lars F., auch „per Überweisung“ das Geld ohne Käuferschutz auf sein Konto buchen lassen. Eine Nachbarin gab später bei der Polizei ein Gespräch mit ihm wieder, dass „sie nun keine Pakete mehr annehmen müsse“.

Offenbar der Startschuss für den Betrug: Zwischen dem 27. Juli und dem 2. August bot die Lemounte IT GmbH vor allem hochwertige Klimageräte und Ventilatoren zu Preisen zwischen 200 und 900 Euro an. Die Verkaufszahlen gingen in den sieben Tagen wegen des heißen Sommers durch die Decke. Geliefert wurde nichts. Nach den Ermittlungen der Polizei soll der entstandene Schaden sich auf mindestens 300.000 Euro belaufen. Vorgeworfen werden jetzt 150.000 Euro. Ebay teilte auf Nachfrage der Volksstimme mit: „Das Mitglied wurde umgehend gesperrt und vom Verkauf auf dem Marktplatz ausgeschlossen. Alle offenen Transaktionen wurden ebenfalls sofort beendet.“

Im Polizeirevier Salzlandkreis stapelten sich die Anzeigen. Die Rechnung wäre vielleicht aufgegangen, wenn Lars F. nicht so bekannt bei der Polizei und Justiz wäre. Er führt im Bundeszentralregister 20 Einträge, unter anderem mehrfach wegen Betruges.

Die Ermittler erkannten den Gesuchten auf dem Passbild und nahmen ihn im Landkreis Mansfeld-Südharz fest. Seit dem sitzt er in Untersuchungshaft. Mit einem Urteil wird Mitte Juni gerechnet.