Volksstimme: Allein in Magdeburg studieren an Universität und Fachhochschule Hunderte Chinesen. Was macht die Anziehungskraft Sachsen-Anhalts für die jungen Leute aus?

Botschafter Wu Ken: Sachsen-Anhalt ist das erste östliche Bundesland in Deutschland, in dem ich meinen Antrittsbesuch mache. Daran ist ersichtlich, dass ich persönlich einen großen Wert auf dieses Bundesland lege. Unser Vizestaatspräsident Wang Qishan hat sich im Juni dieses Jahres neben Berlin, Hamburg und München die Lutherstadt Wittenberg als Besuchsziel ausgesucht. Dies ist auch ein Zeichen dafür, dass Sachsen-Anhalt der chinesischen Seite wichtig ist. Hier gibt es über 2000 chinesische Studierende – eine sehr positive Entwicklung. Die gute Bildungsqualität lockt Chinesen. Ich bin sicher, dass durch das hohe Niveau der Universitäten und Hochschulen und die vorteilhafte geografische Lage immer mehr chinesische Studenten hierher kommen werden.

Sachsen-Anhalt wirbt für Neuinvestitionen aus der Volksrepublik China. Welche Möglichkeiten gibt es aus Ihrer Sicht?

Bei Investitionen hat China in den neuen Bundesländen noch Nachholbedarf. Chinesische Firmen sind hier erst vor acht, neun Jahren tätig geworden. Einige Projekte sind inzwischen verwirklicht worden. Die Praxis hat gezeigt, dass diese Vorhaben erfolgreich sind.

Zum Beispiel?

Der chinesische Verpackungshersteller Greatview hat in Halle in ein großes Projekt investiert. Das Volumen beträgt 80 Millionen Euro. Dieses chinesische Unternehmen konnte bisher über 200 Arbeitsplätze für die Region schaffen. Das ist der erste Schritt. Auch andere Firmen haben Interesse, hier zu investieren. Ich bin mir sicher, dass beide Seiten noch mehr tun können, weil Sachsen-Anhalt und China von dieser Zusammenarbeit schon viel profitiert haben.

Deutschland und China haben verschiedene gesellschaftliche Systeme, wie Debatten zu Huawei oder Hongkong zeigen. Dennoch gibt es eine langjährige beiderseitige Kooperation. Wo sehen Sie dafür die Perspektive?

Sie haben recht, es gibt in Deutschland und China unterschiedliche politische und gesellschaftliche Systeme. Das hat unsere Zusammenarbeit in der Vergangenheit nicht geschadet. Es sollte auch in der Zukunft unsere Beziehungen nicht beeinträchtigen. Jedes Land kann seinen eigenen Weg wählen. Wir gehen auf unserem Weg, weil wir denken, dass unser System richtig ist. Deutschland hat ebenso das Recht, über sein System zu entscheiden. Wir mischen uns nicht ein. Mein Anliegen als Botschafter ist es, unsere Beziehungen zu stärken, weil dies gut für unsere beiden Nationen ist.