IS-Rückkehrerin aus Sachsen-Anhalt am Flughafen festgenommen

Deutschland hat drei Frauen und zwölf Kinder aus Camps in Nordostsyrien nach Deutschland zurückgeholt. Eine Frau wurde am Sonntag am Flughafen Franktfurt/Main festgenommen. Die Vorwürfe sind schwerwiegend.

Friso Gentsch dpa

Karlsruhe/Sangerhausen (dpa) - Mehr als fünf Jahre nach ihrer Ausreise nach Syrien ist eine junge Frau aus dem südlichen Sachsen-Anhalt als sogenannte IS-Rückkehrerin festgenommen worden. Der Generalbundesanwalt wirft der Deutschen unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland sowie Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor, wie die Behörde am Sonntag mitteilte. Aus der Mitteilung geht hervor, dass es sich um die Frau handelt, die als Jugendliche aus Sangerhausen zur Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staats nach Syrien ausreiste.

Nach dpa-Informationen war die Sangerhäuserin eine der drei Frauen, die bei einer Rückholaktion zusammen mit zwölf Kindern aus Camps in Nordostsyrien nach Deutschland zurückgeholt wurde. Das Auswärtige Amt hat eine solche Rückholaktion bestätigt, aber keine Angaben zu der Frau aus Sachsen-Anhalt gemacht. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" (online) über den Zusammenhang von Rückholaktion und Festnahme berichtet.

Laut Mitteilung des Generalbundesanwalts soll die damals 15-Jährige im März 2015 nach Syrien ausgereist sein, sich dem IS angeschlossen, einen Angehörigen des Geheimdienstes der Terrormiliz geheiratet und mit ihm zwei Kinder bekommen haben, teilte der Generalbundesanwalt mit. Gemeinsam mit ihrem Mann soll sie zeitweise eine jesidische Frau als Sklavin gehalten und diese weiterverkauft haben.

Die Familie flüchtete den Angaben zufolge im Sommer 2017 aus der nordsyrischen Stadt Al-Rakka. Nach weiteren Umzügen sei sie schließlich Anfang Januar 2019 zusammen mit den Kindern in einem Flüchtlingslager aufgenommen worden, in dem sie bis zu ihrer Ausreise gelebt habe. Kurz nach der Ausreise im März 2015 hatten die Behörden mitgeteilt, sie würden versuchen, die damals 15-Jährige und weitere mit und kurz nach ihr ausgereiste Jugendliche unverletzt nach Deutschland zu holen. Auch die Familie der Sangerhäuserin setzte sich immer wieder auch öffentlich dafür ein.

Später wurde bekannt, dass gegen die Sangerhäuserin seit ihrer Ausreise ermittelt wird. Im Herbst 2019 durchsuchten Ermittler in Deutschland mehrere Objekte aus dem privaten Umfeld der Frau. Laut Bundesanwaltschaft war das Ziel, weitere Beweise für eine Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu sammeln.

Die junge Frau wurde nach ihrer Rückkehr nach Deutschland am Flughafen Frankfurt/Main von Beamten des sachsen-anhaltischen Landeskriminalamts festgenommen. Ob sie allerdings zeitnah nach Sachsen-Anhalt gebracht wird, ist offen. Die dortigen Landesbehörden verwiesen für weitere Auskünfte an den Generalbundesanwalt. Gegen die Frau war im Mai dieses Jahres ein Haftbefehl erlassen worden. Sie wurde noch am Sonntag einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der den Haftbefehl in Vollzug setzte.

Das Auswärtige Amt hat die am Samstag bekanntgewordene Rückholaktion von drei Frauen und zwölf Kindern aus Camps in Nordostsyrien nach Deutschland bestätigt, machte dabei aber keine Angaben zu einer mutmaßlichen IS-Vergangenheit der Frauen. Bei den Personen, die nach Deutschland zurückgeholt wurden, handelt es sich den Angaben zufolge um zwölf Kinder, darunter sieben Waisenkinder, und drei Frauen aus den Lagern Roj und Al Hol im Nordosten Syriens. Zwei weitere Frauen und sechs weitere Kinder seien nach Finnland gebracht worden.

"Ich bin sehr erleichtert, dass wir gestern weitere zwölf Kinder und drei dazugehörige Mütter aus Lagern in Nordostsyrien zurückholen konnten. Diese frohe Nachricht kurz vor Weihnachten stimmt zuversichtlich, dass wir auch in weiteren Fällen eine Rückkehr ermöglichen können", erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD). "Dafür werden wir uns in den kommenden Wochen und Monaten einsetzen."

Mitteilung des Generalbundesanwalts zur Festnahme