Magdeburg l Schulleiterin Pia Kampelmann hat ganz genaue Vorstellungen, wenn es um die Kleiderordnung ihrer rund 274 Schüler geht. Sogar in der Schulordnung der Evangelischen Sekundarschule Haldensleben (Börde) gibt es dazu einen kleinen, aber wichtigen Verweis: „Es wird angemessene Kleidung erwartet.“ Die Jogginghose gehört nicht dazu. Aus zwei Gründen: Zum einen sei die Schule ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche auf die Arbeits- und Berufswelt vorbereitet werden, sagt die Direktorin. Zum anderen: „Die Schule ist keine Freizeiteinrichtung“.

Doch Kampelmann geht noch einen Schritt weiter. „Es ist durchaus auch ein Thema, ob hautenge, durchsichtige Leggings bei Schülerinnen erwünscht sind“, so die Leiterin. „Gerade in der Pubertät bleibt dann bei den Jungs nicht mehr viel Konzentrationsvermögen auf den eigentlichen Unterrichtsgegenstand über.“

Schüler haben Persönlichkeitsrechte

Im Schulgesetz Sachsen-Anhalts gibt es keine Regelung zur Kleiderordnung. Wollen Schulen ein entsprechendes Jogginghosen-Verbot, müssen sie Eigeninitaitve ergreifen. „Wir sind der Auffassung, dass die Verantwortung für Kleidung, Haarschnitt und so weiter den Eltern und Schülern selbst obliegt, nicht aber der Schule“, erklärte ein Sprecher des Bildungsministeriums und verwies auf das im Grundgesetz verankerte Persönlichkeitsrecht.

Und genau das könnte auch für Schulen zum Problem werden, wenn Eltern sich gegen entsprechende Regelungen wehren wollen. So spricht Thomas Herz, Rechtsanwalt für Schulrecht, hinsichtlich eines generellen Verbots von Jogginghossen von „erheblichen juristischen Bedenken“. Nur, wenn die Rechte anderer Schüler verletzt würden oder aber der Schulfrieden durch die Kleiderordung gestört sei, könnten entsprechende Verbote erlassen werden. In Bezug auf die Sekundarschule Haldensleben sei bereits der Begriff „angemessene Kleidung“ juristisch bedenklich, da er sehr unbestimmt ist. „Betroffene können sich wahrscheinlich erfolgreich wehren“, sagte Herz.

Am Burger Roland-Gymnasium im Jerichower Land sind Jogginghosen daher nicht verboten. Auch eine Kleiderordnung gibt es nicht. Einzige Ausnahme: „Für die mündlichen Prüfungen erwarten wir von unseren Schülerinnen und Schülern, dass Sie sich dem Anlass entsprechend kleiden. Hier würde ich eine Jogginghose als absolutes No-Go einordnen“, sagte Schulleiter Thomas Dreher.

An der Landesschule Pforta in Naumburg, ein Internatsgymnasium zur Förderung besonders begabter Schüler, sieht Leiter Thomas Schödel die Sache sogar noch etwas lockerer. Zwar achte man darauf, dass die Schüler bei besonderen Anlässen wie Chroauftritten oder Festakten ordentlich gekleidet seien, aber: „Dies schließt nicht aus, dass unsere Schülerinnen und Schüler auch einmal im Schulalltag eine frisch gewaschene Jogginghose tragen.“

Und wie sieht es an den Schulen aus, die den Schlabber-Look quasi von Haus aus im Namen tragen? Wie die Volksstimme erfuhr, war die Jogginghose zuletzt auch an den Sportschulen Halle ein großes Diskussionsthema bei der Konferenz für das laufende Schuljahr. Nach dem Training mit Freizeitkleidung im Unterricht zu sitzen, wird nämlich überraschenderweise hier nicht gern gesehen. Stattdessen wird künftig eine „angemessene Kleidung“ erwartet – so soll es der neue Passus in der Schulordnung vorschreiben.

Landesschule Pforta: kein Verbot

Doch es geht noch drastischer: Erst im Dezember 2019 sorgte ein Jogginghosen-Verbot an einer Schule in Hannover bundesweit für Aufsehen. Am privaten Oskar-Kämmer-Gymnasium müssen Schüler seit Januar unter Strafandrohung auf den Schlabber-Look verzichten. Rektorin Alvira Ramazanova wies daraufhin, dass die Kinder und Jugendlichen bei Verstößen mit Sanktionen zu rechnen haben, darunter: Schulhof saubermachen und Tische in der Mensa wischen.

Sanktionen für den Schlabber-Look? Die gibt es auch in Haldensleben nicht. Zum einen, weil sich die Schüler an die Kleiderordnung halten. Und wenn der Schlabber-Look dann doch mal im Klassenzimmer auftaucht, gibt‘s eine „kleine Erinnerung“, so Kampelmann.