Jugendliche erfahren in Workshops demokratische Prozesse / Abschlussdebatte im Landtag mit überraschenden Ideen

Jubel und Enttäuschung im Schülerparlament

Von Anja Guse

Magdeburg l Mehr Geld für die Züchtung von Algen als alternative Gewinnung von Energie und mehr Unterstützung für regionale Unternehmen - das haben Jugendliche aus Magdeburg und Barleben im Schülerparlament im Landtag in Magdeburg gefordert. Drei Tage diskutierten sie über Zukunftsfragen der Gesellschaft in den Bereichen Ernährung, Umwelt, Frieden, Wirtschaft, Energie und Information. Unterstützt wurden sie von Fachleuten aus der Wissenschaft und Landtagsabgeordneten. Höhepunkt war gestern die Abschlussdebatte mit eigens verfassten Anträgen und überraschenden Ideen und Entscheidungen.

"Es wird zu viel Fleisch konsumiert", konstatierte eine Gruppe. Vorschlag: Lebensmitteltechniker, die künstliches, aber echt schmeckendes pflanzliches Fleisch erzeugen, sollen gefördert werden. Abgelehnt.

Der Mindestlebensstandard in anderen Ländern soll zur Vermeidung von Neid erforscht werden. Abgelehnt. "Neid wird es immer geben", hieß es.

Freies Internet in allen Ländern - ebenfalls abgelehnt. Die jungen Laien-Politiker sind gnadenlos. Egal, wie gut die Ideen der Mitstreiter klingen.

"Das ist traurig", meint Tom Behrends, Schüler an der Inte- grierten Gesamtschule (IGS) "Regine Hildebrandt". "Wir haben uns als Gruppe so für unsere Anträge eingesetzt, und dann werden diese wie nix weggeblasen. Vielleicht hätten wir bessere Argumente bringen müssen", zog er als Fazit.

Christine Unterbeck nahm es dagegen gelassen. "Ist nicht so schlimm", meinte die Schülerin der IGS "Willy Brandt" und zuckte mit den Schultern.

Rund 70 Schüler nahmen auf Initiative von Wissenschaft im Dialog am Projekt teil. Sie alle haben gelernt: Politik ist nicht immer so dröge, wie es manchmal im Fernsehen scheint. Und sie wissen jetzt, wie demokratische Entscheidungsprozesse funktionieren. Das Projektziel ist damit erreicht.