Seine Folge war eine nationale Massenbewegung, deren Ergebnis die Abdankung des Kaisers und die Ausrufung der Republik war. Einer der Anführer des Aufstandes war der Magdeburger Karl Artelt.

Er sei ein „persönlich anständiger Mann“, schrieb der SPD-Reichstagsabgeordnete und spätere Reichswehrminister Gustav Noske über seinen Verhandlungspartner, den Magdeburger Matrosen Karl Artelt. Noske war am Abend des 4. November 1918 von Berlin kommend in Kiel eingetroffen. Die Reichsregierung hatte ihn beauftragt, den Matrosenaufstand unter Kontrolle zu bringen, der ein Tag zuvor dort ausgebrochen war.

Begonnen hatte alles mit einer Meuterei. Am 24.Oktober 1918 befahl die Marineführung den in Wilhelmshaven stationierten Schiffen der kaiserlichen deutschen Marine, in einer letzten Schlacht die überlegene britische Royal Navy anzugreifen. Kurz vor Ende des bereits verlorenen Krieges – die Reichsregierung verhandelte schon mit den Alliierten über einen Waffenstillstand – sollte die Flotte in die „letzte Entscheidungsschlacht“ und in den „ehrenvollen Untergang“ geschickt werden.

Matrosen forderten Frieden

Doch zu diesem Himmelfahrtskommando waren die Matrosen nicht bereit. Sie verweigerten die Befehle und die Marineleitung erkannte, dass an ein Auslaufen nicht zu denken war. Um die Meuterei niederzuschlagen, wurde der Teil der Flotte, der sich am stärksten wiedersetzt hatte, von Wilhelmshaven in den Heimathafen Kiel verlegt. Dort wurden die als Rädelsführer der Unruhen ausgemachten Matrosen inhaftiert.

Aber auch das wurde nicht mehr hingenommen. Kaum in Kiel angekommen, verbrüderten sich die Matrosen mit den Marinesoldaten vor Ort, etliche Kieler Arbeiter soli-darisierten sich mit ihnen. Immer lauter ertönten neben der Forderung nach Freilassung der inhaftierten Matrosen auch die Rufe nach Frieden und Brot und nach dem Ende der Monarchie.

Schon bald suchten die Aufständischen den Kontakt zu Vertretern von SPD und USPD. Lothar Popp und Karl Artelt, beide Vertreter der USPD, der eine der lokale Vorsitzende, der andere Matrose der Torpedodivision, übernahmen die Führung. Artelts Forderungen waren besonders radikal, er wollte die Monarchie durch eine Räterepublik ersetzen.

Karl Artelt, 1890 in Magdeburg-Salbke geboren, erlernte bei der Firma Wolf in Mag-deburg-Buckau den Beruf eines Maschinenschlossers. Als 18-Jähriger trat Artelt der SPD bei, wechselte später aber zur USPD. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als Heizer auf Handelsschiffen, seinen Militärdienst leistete er beim Ostasiengeschwader ab. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er erneut zur Marine in Kiel eingezogen und in die Torpedobootsreparaturwerkstatt abkommandiert, wo er als Ma-schinenbauer arbeitete.

Auf den Aufruf Popps und Artelts hin strömten am Abend des 3. November 1918 Tausende Menschen – Matrosen, Arbeiter und Soldaten, auch Frauen – auf dem Kieler Exerzierplatz zusammen. Artelt eröffnete die Kundgebung und rief die Demonstranten zum entschlossenen Handeln auf. Als sich der Zug jedoch in Richtung der Arrestanstalt bewegte, traten ihm Soldaten entgegen. Was dann geschah, schilderte Artelt später wie folgt: „Vor dem Kaiser-Café empfing uns plötzlich Maschinengewehrfeuer. Unser Demonstrationszug stoppte. Als wir feststellten, dass niemand getroffen worden war, gingen wir weiter. Daraufhin schossen die Maschinengewehrschützen direkt in unseren Zug hinein.“ Es gab acht Tote und 29 Verwundete.

Das Blutvergießen löste große Empörung aus, aber auch eine Welle der Solidarität. Am 4. November rebellierten weitere Teile der Marine und des Heeres, Werftarbeiter legten die Arbeit nieder. Es wurde der Kieler Arbeiter- und Soldatenrat gegründet, dessen Führung Popp und Artelt übernahmen. Die Matrosen bewaffneten sich, die Arbeiter beschlossen zur Unterstützung den Generalstreik, und es kam zu weiteren Schießereien. Die Lage spitzte sich zu.

Noske war klar geworden, dass mit Gewalt nichts mehr zu erreichen war. Mit viel Verhandlungsgeschick und dem Versprechen, die inhaftierten Matrosen freizulassen, gelang es ihm schließlich, den Aufstand einzudämmen. Für Artelt war dies eine Niederlage: Den Streit mit Noske über die weitere politische Entwicklung in Kiel und im Reich – Räterepublik oder parlamentarische Demokratie – konnte der Reichstagsabgeordnete, der inzwischen zum neuen Gouverneur von Kiel gewählt worden war, für sich entscheiden.

Am 9. November dankte der Kaiser ab

Aber der Funke der Revolution war bereits vom Norden auf das gesamte Reichsgebiet übergesprungen. In Berlin erklärte Reichskanzler Max von Baden am 9. November 1918 die Abdankung des Kaisers und Philipp Scheidemann rief die Republik aus: „Das Alte und Morsche, die Monarchie, ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue.

Es lebe die deutsche Republik!“. Karl Artelt kehrte im Februar 1919 nach Magdeburg zurück und wurde Mitbegründer des Ortsverbandes der KPD. Mitte der 1920er Jahre zog er sich aus der Politik zurück, wurde Handelsvertreter und arbeitete bis 1945 als Kaufmann in Nebra. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges setzte sich Artelt für die Vereinigung von KPD und SPD zur SED im Kreis Querfurt ein und wurde dort 1. Sekretär.

In den 1960er und 1970er Jahren referierte der inzwischen hoch dekorierte Artelt in Betrieben und Schulen über seine revolutionäre Vergangenheit in Kiel. Seine letzten Jahre bis zu seinem Tod 1981 verbrachte er im Seniorenheim „Clara Zetkin“ in Halle (Saale). 2012 wurde seine Grabstätte auf dem Friedhof in Nebra in ein Ehrengrab umgewandelt. Ein unrühmliches Ende nahm die deutschen Flotte, der Stolz des Kaiserreichs: Von der Royal Navy in der Bucht von Scapa Flow auf den Orkney Inseln interniert, versenkte sich die Flotte im Juni 1919 selbst.