Magdeburg (dpa) l Die Tourismusbranche im Harz blickt mit Sorge auf die bisher milde Wintersaison. "Bis vor ein paar Tagen lagen hier nur ein paar Krümel Schnee", fasste der Sprecher der Harzer Schmalspurbahnen, Dirk Bahnsen, die Situation zusammen. Mitte der Woche sei die Schneedecke auf dem Brocken stellenweise zwar auf 30 Zentimeter gewachsen, doch die Wettervorhersagen ließen nicht auf einen generellen Umschwung hoffen. Bisher sorgte die Abwesenheit der weißen Pracht laut Bahnsen noch nicht dafür, dass die Schmalspurbahn weniger Fahrgäste hatte. "Aber einige sind enttäuscht, weil kein Schnee liegt. Er gehört für viele einfach dazu."

Wer sich auf einen nahenden Winterurlaub im Harz freut, muss bisher größtenteils ohne die typischen Sportaktivitäten auskommen: Laut Harzer Tourismusverband sind derzeit nur am niedersächsischen Wurmberg fünf der 15 Pisten in Betrieb. Die Wintersportorte im Ostharz melden alle: kein Schnee, keine präparierten Loipen.

Wer darauf hofft, dass der Februar Besserung bringt, wird zunächst wohl enttäuscht. Schon das erste Wochenende wird so mild, dass der Schnee auf dem Brocken schmilzt und nur Regen fällt, wie Thomas Hain vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig vorhersagte. Einzig ab kommenden Dienstag bringt kühle Luft für mehrere Tage Dauerfrost in den Oberharz. Wenn am 8. Februar die Winterferien in Sachsen-Anhalt beginnen, wird es den DWD-Prognosen zufolge hingegen schon wieder mild. "Es ist sehr ungewöhnlich, dass der Brocken im Dezember und Januar immer wieder schneefrei ist", sagte Hain. Etwas besser sei die Situation nur auf dem Fichtelberg im sächsischen Erzgebirge.

Doch des einen Leid ist des anderen Freud: Die 482 Meter lange Seilhängebrücke an der Rappbodetalsperre lockte im Januar ungewöhnlich viele Besucher an. "Wir hatten im Januar 30 Prozent mehr Besucher", sagte Harzdrenalin-Geschäftsführer Maik Berke mit Blick auf den Vorjahresvergleich. Wer zum Skifahren in den Harz komme und dann mangels Schnee nicht Skifahren könne, der weiche auf andere Attraktionen aus. "Aber es ist die Frage, ob das ein Segen ist", sagte Berke. Für die Region sei der Schnee wichtig, denn seinetwegen kämen viele Touristen im Winter.

Nicht nur der Schneemangel bereitete den Touristikern im Harz zuletzt Sorge. Der Harz will sich als Reiseziel etablieren, das zu jeder Jahreszeit angesteuert wird. Nicht wenige fürchten, dass das großflächige Waldsterben der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre einen Dämpfer versetzt. Das Mittelgebirge war im Sommer wegen der vielen Fichtenwälder besonders von einer Borkenkäferplage betroffen. Auch die anhaltende Trockenheit setzte dem Wald zu. Ganze Flächen starben ab oder mussten gefällt werden.

Doch noch überdurchschnittlicher Zuspruch

Aktuellen Zahlen zufolge schlägt das aber bisher nicht negativ zu Buche. Bis November verzeichnete der Ostharz erneut einen überdurchschnittlichen Zuspruch bei Reisenden, wie aus Zahlen des Statistischen Landesamts hervorgeht. So wurden mit 1,142 Millionen Gästen rund 5,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei den Übernachtungen legte die Region um 5,7 Prozent auf 3,09 Millionen zu.

Damit dürfte der Harz auch in diesem Jahr einen Rekord einfahren. Im gesamten Jahr 2018 waren nur 68 000 Übernachtungen mehr gezählt worden. Im Schnitt kamen in den vergangenen Jahren im Dezember rund 80 000 Übernachtungen dazu. Auch für ganz Sachsen-Anhalt dürften die Statistiker demnächst einen neuen Gästerekord vermelden: Bis einschließlich November kamen 3,368 Millionen Gäste – das waren 5,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Im gesamten Jahr 2018 waren es mit 3,433 Millionen nur 65.000 mehr. Bei den Übernachtungen kam Sachsen-Anhalt im November mit 8,08 Millionen schon bis auf 155.000 an den Wert des gesamten Vorjahres heran. Für gewöhnlich schlagen im Dezember noch einmal rund 500.000 Übernachtungen zu Buche. Besonders große Zuwächse verzeichnete im vorigen Jahr die Region Anhalt-Wittenberg, zu der auch Dessau-Roßlau gehört. Dort sorgte das Bauhaus-Jubiläum samt neu eröffnetem Bauhaus-Museum bis November zu einem Gästeplus von zehn Prozent.