Magdeburg (dpa) l Bei den schrittweisen Lockerungen der Corona-Beschränkungen werden aus Sicht von Sachsen-Anhalts Grünen-Chefin Susan Sziborra-Seidlitz die Belange von Familien noch zu wenig berücksichtigt. "Wir reden über Perspektiven für Gastronomen und Friseure, aber wir reden viel zu wenig über Eltern und Kinder", sagte sie am Montag. In vielen Familien gebe es Kinder, die wegen der Kontaktsperre seit Wochen nur zwischen Erwachsenen lebten.

Hinzu komme, dass die Belastung für arbeitende Eltern von Tag zu Tag steige. "Wir brauchen eine Lösung, wie Eltern sich nicht mehr zerreißen müssen zwischen Homeschooling und Homeoffice." Zusätzlich brauche es Perspektiven, wann Spielplätze wieder öffneten und Begegnungsmöglichkeiten für Kinder geschaffen würden.

Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) hatte am Sonntag angekündigt, sich bei der nächsten Bund-Länder-Entscheidungsrunde am 6. Mai dafür einzusetzen, dass es wieder einen kontrollierten Zugang zu Spielplätzen gibt. Zudem stellte er Lockerungen für Friseure, Museen, Gastronomen und Gottesdienste in Aussicht.

Zusammen mit anderen Grünen-Länderchefinnen hatte Sziborra-Seidlitz zuletzt ein Corona-Elterngeld ins Gespräch gebracht. Es soll ähnlich wie das Elterngeld nach der Familiengründung funktionieren, bei der der Staat einen Teil des Einkommens überweist. Derzeit können nur Eltern Entschädigung bekommen, wenn sie wegen der Kinderbetreuung nicht arbeiten können. Damit fielen schon alle Berufe weg, die im Homeoffice möglich seien, sagte Sziborra-Seidlitz.

In Sachsen-Anhalt ist das öffentliche Leben seit Mitte März runtergefahren, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. In den Kitas gibt es eine Notbetreuung für Eltern mit unverzichtbaren Berufen. Die Grundschule soll am 4. Mai für Viertklässler öffnen.