Magdeburg l In den nächsten Wochen werden bis in den Juni landein, landaus Jugendweihen gefeiert. Rund 6600 Mädchen und Jungen haben sich 2018 in Sachsen-Anhalt dafür angemeldet – das entspricht etwa 50 bis 60 Prozent aller Achtklässler. Das sind zwar deutlich weniger als noch 1997: Damals feierten 20.000 Jugendliche das Fest. Doch die Talsohle mit den geburtenschwachen Jahrgängen – im Jahr 2008 waren es nur 5713 Mädchen und Jungen – ist längst durchschritten.

„Die Jugendweihefeierstunde wird gern als ein ‚Kind‘ der DDR abgestempelt. Dabei gab es sie bereits 1852“, sagt Anke Hoffmeister vom Landesverband Sachsen-Anhalt der Interessenvereinigung Jugendweihe.

Kirche auf neuen Wegen

Die Jugendweihe wurde im 19. Jahrhundert ursprünglich von freireligiösen Bewegungen initiiert. Zu DDR-Zeiten wurde sie jedoch als sozialistische Alternative zu vergleichbaren kirchlichen Zeremonien protegiert und mit einem Eid auf den Sozialismus verbunden.

In Sachsen-Anhalt wurde die Tradition des Festes nach der Wende erhalten – natürlich ohne DDR-Ideologie. Insgesamt hätten seit der Wiedervereinigung mehr als 325.000 Jungen und Mädchen an der Jugendweihe teilgenommen, sagt Hoffmeister. 2018 finden zwischen Arendee und Zeitz rund 130 Feiern statt, in denen die Heranwachsen den Schritt in die Erwachsenenwelt begehen.

Die Feierstunden sind für sie der Höhepunkt im Jugendweihejahr, das mit dem Beginn des achten Schuljahres startet. Davor können sie verschiedene Angebote wie Fahrten zur Gedenkstätte Buchenwald und in den Landtag nutzen. Außerdem lädt die Vereinigung zu Besuchen bei Zeitungen, zum Tanzkurs, zu Modemessen und Knigge-Kursen ein.

Doch neben der Jugendweihe hat sich in den vergangenen Jahren noch ein weiteres überreligiöses Initiationsritual etabliert. Hunderte Jugendliche nehmen 2018 an einer Lebenswendefeier teil. Allein in Halle haben sich rund 800 Heranwachsende angemeldet. In Haldensleben (Börde) sowie in Barby (Salzlandkreis) sind es je 45 Teilnehmer, in Magdeburg knapp 25.

Veranstaltet werden die Lebenswendefeiern von den Kirchen. „Sie richten sich vor allem an nicht getaufte Jugendliche“, sagt Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM). Die Jugendlichen sollen bestärkt werden, „als Teil der Gesellschaft unsere Welt mitzugestalten. Oft geht den Segensfeiern auch eine gemeinsame Zeit voraus, in denen Fragen der Verantwortung, des Respektes und die Einübung von Toleranz wichtig sind“, sagt Herrfurth.

Weniger Konfirmationen

Die Kirchen verstehen die Lebenswende-Angebote dabei nicht als Konkurrenz, sondern als Alternative. Doch da rund 90 Prozent der Kinder in den neuen Bundesländern nicht getauft sind, sinkt die Zahl der kirchlichen Feiern rapide. Gab es im Bistum Magdeburg im Jahr 1996 noch 776 Firmungen, sind es 2016 nur noch 295 gewesen.

Bei den Protestanten sieht es nicht viel besser aus. In der EKM werden in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr etwa 1500 Jugendliche konfirmiert – das ist nicht einmal ein Viertel der Zahl der Jugendweihen.