Archäologie

Kirche Kaiser Ottos II. in Memleben hatte mehrere Bauphasen

Studenten haben bei der Grabung auf dem historischen Klosterareal Memleben mehrere Bauphasen der Kirche Kaiser Ottos II. festgestellt. Das Gotteshaus war im 10. Jahrhundert das größte und diente als Vorbild für spätere Kirchenbauten. Rätsel bleibt der genaue Baubeginn und die Aufgabe der Kirche.

Von dpa 05.10.2021, 15:06 • Aktualisiert: 06.10.2021, 22:57

Memleben - Die Kirche Kaiser Ottos II. (955-983) auf dem Klostergelände Memleben (Burgenlandkreis) ist in mehreren Bauphasen entstanden. „Die Grabungen zeigen, die erste Kirche wurde in zentralen Bereichen tatsächlich fertiggestellt und war in Benutzung. Dafür spricht die Entdeckung einer ersten Bestattung“, sagte Grabungsleiter Holger Grönwald am Dienstag. Zu den Erkenntnissen führte eine seit 2017 laufende Lehrgrabung, in diesem Jahr waren daran 18 Studenten beteiligt.

Die Basilika wurde nicht in einem Zuge errichtet, auch wenn ihr möglicherweise eine einheitliche Bauplanung zugrunde lag. „Wann die Kirche konkret erbaut und wann sie aufgegeben wurde, bleibt unbekannt“, sagte Grönwald. Die alte Kirche war eine dreischiffige Basilika mit zwei Querschiffen und Ost- und Westchor. „Sie war in ihrer monumentalen Größe der Prototyp für die erzbischöflichen Bauten in Magdeburg, Köln und Trier“, sagte der Archäologe.

Im 10. Jahrhundert standen in Memleben eine Kaiserpfalz und ein Kloster. Das Kloster Memleben wurde erstmals 979 urkundlich erwähnt. Die riesigen Umrisse der ersten Klosterkirche von 82 Metern Länge und 39,5 Meter Breite sind noch heute zu sehen. Die Blütezeit des Klosters dauerte nur wenige Jahrzehnte. Im Jahr 1015 wurde Memleben der Abtei Bad Hersfeld unterstellt und verlor somit seine Selbstständigkeit im Reich.

Allerdings wurde in den Jahren 1200 bis 1250 eine neue Klosterkirche errichtet. Das Baumaterial kam von der alten Kirche. Heute ist auf dem Klosterareal ein Museum untergebracht. Der erste deutsche Kaiser Otto der Große (912-973) starb in Memleben, ebenso wie sein Vater Heinrich I. (876-936).