Magdeburg l Es war eine finanzpolitische Bombe, die vor neun Jahren in Magdeburg platzte. Im Juli 2009 wurde bekannt, dass das Bistum mit riskanten Finanzgeschäften Millionen in den Sand gesetzt hat. Lange war unklar, wie hoch die Verbindlichkeiten der Unternehmenstochter Gero AG wirklich waren. Inzwischen ist klar, dass der Schuldenberg damals 90 Millionen Euro betrug.

Etwa zwei Drittel davon hat das Bistum Magdeburg inzwischen abgebaut. Das bestätigte Generalvikar Bernhard Scholz der Volksstimme. Bei etwa 35 Millionen Euro liegen die Verbindlichkeiten aktuell. „Es bleibt unser oberstes Ziel, diese Schulden rasch abzubauen“, sagte Scholz.

Anfang der 2000er Jahre hatte sich die Gero AG mit riskanten Schiffsdeals und bei Investitionen in erneuerbare Energien verzockt. Auch bei Immobiliengeschäften hakte es: Bis 2008 musste das Hundertwasserhaus in Magdeburg vom Bistum bezuschusst werden. Unterm Strich wurden dafür Verluste von insgesamt rund sieben Millionen Euro abgeschrieben.

Blick auf die Kirchensteuer

Ziel war es gewesen, über die Gero AG Gelder für den Bau und Unterhalt von Schulen, Kindergärten sowie für die Sanierung von Gemeinderäumen und Kirchen zu erwirtschaften. Kirchenintern wurde lange gestritten, bei wem die Verantwortung für das Finanzdesaster liegt.

Der Abbau des Schuldenbergs hat mit dazu geführt, dass das Bistum andere Aufgaben hinten anstellen musste. Ein Beispiel: Der Fonds für Priesterpensionen. Dieser umfasst heute 29 Millionen Euro – nötig sind aber etwa 63 Millionen Euro, um alle Ruhegelder daraus finanzieren zu können. Die Lücke muss das Bistum deshalb stets aus dem laufenden Haushalt finanzieren. „Da wären wir gerne schon einen Schritt weiter, der Schuldenabbau hatte aber zunächst Priorität“, sagte Scholz. „Wir sind in Deutschland aber bei weitem nicht die einzige Diözese, die keinen voll ausfinanzierten Pensionsfonds hat.“

Eine Haupteinnahmequelle ist die Kirchensteuer. 2016 erhielt das Bistum in diesem Bereich 14,57 Millionen Euro. Das war gut eine halbe Million Euro mehr als 2015 – und das trotz sinkender Mitgliedszahlen. „Das liegt vor allem an der guten Konjunktur. Wir gehen aber davon aus, dass das nicht mehr lange anhalten wird. Da wird es Abbrüche geben“, sagte Generalvikar Scholz.

Auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erwartet einen Rückgang. „Deshalb sieht die Finanzplanung vor, nachhaltig und generationengerecht die vorhandenen Finanzen einzusetzen. Spätere Generationen sollen mit den Pensionskosten nicht belastet werden“, sagte EKM-Sprecher Friedemann Kahl der Volksstimme. Die Pensionsansprüche der Pfarrer werden deshalb ähnlich wie beim Bistum „kapitalgedeckt“ abgesichert.

Nur 16 Prozent in der Kirche

In Sachsen-Anhalt leben rund 361 000 Christen. 279 000 Menschen gehören der evangelischen und 82 000 Menschen der katholischen Kirche an. Das entspricht zusammen einem Anteil von 16 Prozent.

Das Bistum Magdeburg feiert in diesem Jahr sein 1050-jähriges Bestehen. 968 gründete Kaiser Otto I. das Erzbistum Magdeburg. Mit seinen ihm zu- und untergeordneten Bistümern Merseburg, Naumburg-Zeitz und Meißen, die gleichzeitig errichtet wurden, sowie Havelberg und Brandenburg, die schon etwas länger bestanden, gehörte es damals zu den einflussreichsten Erzbistümern im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Am 22. September gibt es im Magdeburger Dom einen großen ökumenischen Gottesdienst und Festakt.