Halberstadt l Derzeit gibt es 456 jugendliche Geflügelzüchter in Sachsen-Anhalt. Steffen Falke, Landesjugendleiter des Geflügelzuchtvereines in Sachsen-Anhalt, ist dennoch recht zufrieden. „Wir verzeichnen einen guten Mitgliederzuwachs.“ Seit vier Jahren hat er als Leiter den Überblick im Land. Doch die Lage ist von Verein zu Verein unterschiedlich.

Obwohl es im bevölkerungsreichen Harzkreis gut läuft, hat der Halberstädter Geflügelzuchtverein große Sorgen. Kreisleiter Falko Großhenning erklärt: Das Hobby Geflügelzucht ist örtlich gebunden. Jugendliche, die kein Auto haben, können ihre Tiere nicht einfach in den nächsten Ort mitnehmen, um sich mit anderen zu vergleichen. Weil es im Gegensatz zum restlichen Harz nicht viele Jugendliche in Halberstadt gibt, die sich für das Hobby interessieren, hat der Verein Nachwuchssorgen. „Wir sind kein Fußballverein“, sagt Großhenning, „wir sind sehr regional.“ Entscheidend für die Nachwuchgewinnung ist es, dass Großeltern oder Eltern die Kinder und Enkel begeistern. „Omas und Opas geben das Hobby weiter“, sagt Falke.

Bestätigen kann das der Ehrenvorsitzende Wilfried Dörfer. Der 61-Jährige hat mit 14 Jahren angefangen, Geflügel zu züchten. Lust darauf bekam er, als er sich um die Tauben seines damaligen Nachbarn kümmerte. Da es ihm gefiel, besorgte sich Wilfried Dörfer selbst zwei Tauben. Im Laufe seines Lebens hat er dann Tauben, Gänse und Puten gehalten. Noch berufstätig, muss heute seine Frau die Hauptlast tragen. Er selbst kümmert sich am Feierabend und am Wochenende um die Tiere. Nun gibt er das Hobby an seine eigenen Kinder weiter: Sein Sohn versorgt die Tiere ebenfalls. „Wir müssen uns aber anpassen. Die Welt verändert sich so wie die technischen Möglichkeiten sich verändern“, sagt er.

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Um sich der neuen Zeit anzupassen, bringt Landesjugendleiter Steffen Falke die Vereinsarbeit technisch auf den neuesten Stand. Er pflegt eine Seite im Internet und ist auch auf Facebook aktiv. Mit den Jugendlichen wird vor allem per E-Mail kommuniziert. „Man muss sich der modernen Zeit anpassen“, meint Steffen Falke. So erklärt er sich zum Beispiel auch den Trend, neue Geflügel-Arten zu züchten. Ein Renner sind die japanischen Wachteln. „Die Tiere sind schon zwei Monate nach dem Schlüpfen bereits ausstellungsfähig“, sagt er. Es winken beachtliche Erfolge bei vergleichsweise geringem Aufwand.

Doch nicht alle wollen mit der Mode gehen. Kreisleiter Falko Großhenning ist kein Fan von elektronischen Medien: „Dann verbringen die Jugendlichen doch wieder Zeit vorm Computer“, erklärt er. „Wir versuchen bei unserem Hobby drei Generationen unter einen Hut zu bringen. Nicht jeder ist so firm mit Facebook und Co.“

In einem sind sich fast alle einig: Kleintierzucht ist ein Hobby, das jeden Tag Aufmerksamkeit verlangt. „Das ist nicht wie bei der Freiwilligen Feuerwehr“, sagt Steffen Falke. „Man muss sich dem Hobby mindestens eine Stunde am Tag widmen. Das schreckt den ein oder anderen ab.“