Das Kloster Huysburg

Grüne Lunge: 10 Kilometer nördlich von Halberstadt erstreckt sich ein sanft mit Buchen bewaldeter Höhenrücken von 20 km Länge und 5 km Breite, der Huy (sprich: Hü). Das Grün erhebt sich bis zu einer Höhe von 314 Metern. Schon von Weitem erblicken Besucher die drei markanten gotischen Spitzdächer des Benediktinerklosters Huysburg – eine fast intakte Klosteranlage mit Gebäuden aus Romanik, Gotik und Barock, die Teil der Straße der Romanik ist.

Geschichte: Die Ursprünge des Klosters reichen bis ins Jahr 1070 zurück. Die Kirche wurde 1121 eingeweiht. Im Jahre 1803 wurde das Kloster von der Preußischen Regierung aufgehoben. 1952 richtet der Erzbischof von Paderborn auf der Huysburg ein Priesterseminar ein. 20 Jahre später wird im Pfarrhaus eine benediktinische Gemeinschaft gegründet – das einzige Benediktinerkloster in der DDR entsteht.

Geistlich-kulturelles Zentrum: Erst seit 1992 gehört das Benediktiner-Kloster wieder ganz der katholischen Kirche. Inzwischen ist hier in Verbindung mit dem Bistum Magdeburg vieles erneuert worden: Die Kirche wurde umfassend saniert, das Haupthaus sowie etliche andere Gebäude des Klosters wurden erneuert. Zudem entstand in den barocken Teilen der Anlage ein Gäste- und Tagungshaus. Die Benediktiner bieten u.a. Exerzitien, Gebetsschulen oder auch „Stille Tage“ in Wochenend-Seminaren an. Auch ein zeitlich begrenztes Zusammenleben mit den Mönchen ist möglich.

Infos und Angebote auf www.huysburg.de

Huysburg l Sattes Grün säumt die Huy-Landstraße 83 im Harz Richtung Dingelstedt. Links ab, rund 1500 Meter durch einen dichten, reinen Buchenwald schlängelt sich die Straße hinauf zum Kloster Huysburg – in diesen herrlichen Mai-Tagen ein wahrhaft malerischer Ausflugsort an der Straße der Romanik. Sonnenstrahlen brechen durch das Blätterdach, umarmen und wärmen das Herz. In dieser Oase der Stille atmet man ganz automatisch tief durch und kommt innerlich zur Ruhe. Urlaub pur für die Seele.

Kloster als Ort der Stille

Für Jakobus Wilhelm, der mit sechs weiteren Brüdern im Benediktinerkloster in einer Mönchsgemeinschaft lebt, ist dieser Ort der Stille seit November 2005 Alltag. Dennoch ist er für den ausgebildeten Paramentensticker und promovierter Kunsthistoriker nach wie vor so etwas wie der Himmel auf Erden: „Ich bin damals aus Trier hierher entsandt worden. In dieser alten Stadt und in der Abtei herrschte dauerhaft so ein gewisser Grundton, ein Rauschen.“ Im Kloster auf dem Huy herrsche indes wirklich Stille. Nichts ist hier zu hören, außer das Zwitschern der Vögel. „Das empfinde ich als wahren Luxus“, schwärmt Jakobus Wilhelm. „Genauso wie ich wunderschönen Wald als Symbol der Schöpfung und die Weite der Klosteranlage als Luxus empfinde. Hier habe ich den Raum und die Freiheit, in denen ich mich entfalten und aufblühen kann.“ Sprich: Hier ist er Mönch, hier darf er es sein.

Für Bruder Jakobus heißt das vor allem Beten, Arbeiten und Lesen. Er lebe im Sinne der Benediktiner, aber völlig selbstbestimmt im Kloster – in Einfachheit, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und ohne Besitztum, allein in einer sogenannten Zelle auf nicht einmal 20 Quadratmetern. Gottsuchend, vor allem im Gebet, das fünfmal am Tag in der wunderschönen, prunkvollen Klosterkirche vonstatten geht. Aber auch im Wirken für die Mönchsgemeinschaft, durch Lesung und Meditation sowie in der Begegnung mit anderen Menschen. Hinter alldem steht ein christlicher Gedanke: Nur wer ganz „bei sich“ ist, kann auch eine Beziehung zu Gott finden und ihm dienen.

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Innere Einkehr im Kloster

Innere Einkehr, Ruhe und Gelassenheit – was die Mönche im Kloster Huysburg seit Jahren leben und erleben, danach sehnen sich viele in der Hektik und Betriebsamkeit des Arbeitsalltags. Auch Bruder Jakobus macht immer öfter die Erfahrung, dass den Menschen Entschleunigung not tut. „Das ist für viele inzwischen ein Zauberwort. Vor allem für Workaholics“, so der Geistliche. Mit diesem Begriff werde heutzutage ein Gewinn an Lebensqualität verbunden, der sich nicht mit einer materiellen Währung gegenrechnen lässt, aber nichtsdestotrotz spürbar ist und das Wohlbefinden steigert. „Im Kloster werden Raum und Zeit zum Geschenk“, erläutert der 50-jährige Mönch seine Sicht der Dinge. „Und da ist es im Grunde ganz egal, ob jemand gläubig ist oder nicht.“

Oder ob ein ganz normaler Tourist den Ort besucht, jemand hier nach Hilfe und Orientierung sucht, „oder ob er zu uns ins Kloster kommt, um seine Mitte und zu Gott zurückzufinden“. Jeder sei ein willkommener Gast und findet eine offene Tür und ein offenes Ohr, betont der Mönch. „Geben uns die Begegnungen und das gemeinsame Gespräch doch auch die Gelegenheit, die Augen für die Lebensform in einer Ordensgemeinschaft zu öffnen, Verständnis zu wecken und Impulse zu geben.“

Tage der Klostererfahrung

Ein Angebot, das den Ruf nach einer Auszeit für die Seele beantwortet, sind die „Tage der Klostererfahrung“, die vom 23. bis 26. August auf der Huysburg eine Neuauflage erfahren werden. Das Programm beinhaltet die Teilnahme an den Gebetszeiten, das Schweigen während der Mahlzeiten, den Verzicht auf Handy, Radio oder Fernseher ebenso wie die innere Einkehr durch lange Spaziergänge im Wald, oder die Stunde des Schweigens in der Kirche. Auch Einzel- und Gruppengespräche gehören zum Angebot. „Das Ganze ist eine Einladung an weltoffene und neugierige Menschen, das Leben im Kloster kennenzulernen. Der Aufenthalt soll von Miterleben und Erfahren geprägt sein. Jeder kann alles mitmachen, aber keiner muss“, erläutert der Südhesse die Intension des Klosters.

Als geistlicher Leiter begleitet er bei den Tagen der Klostererfahrung – veranstaltet vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung Magdeburg – nicht nur die Gäste und zeichnet im Ekkehard-Haus für die Programmgestaltung verantwortlich. Als erster Kantor gibt er beim liturgischen Wechselgesang der Mönchsgemeinschaft mit seiner sanften, warmen Stimme sozusagen auch den Ton an. „Anfangs ist dieser Gesang für die Gäste ungewöhnlich, vielleicht sogar befremdlich. Aber mit der Zeit sehe ich, dass sich die Menschen entspannen, loslassen und nach und nach sogar auch mitsingen.“

Auch die Stille werde zunehmend als angenehm empfunden. „Aus den Gesprächen weiß ich: Schweigen wird zum hohen Gut. Es tut den Menschen gut, mal nicht reden zu müssen oder nicht erreichbar zu sein. Viele genießen es, sich keine Gedanken über ihr Aussehen oder das Outfit zu machen“, so der Mönch, der tagaus, tagein eine schwarze Kutte und Birkenstock-Sandalen trägt.

Dennoch, bekehren wollen Jakobus und seine Brüder in der Stille des Klosters Huysburg niemanden: „Keine Angst: Unsere missionarische Existenz als Mönch besteht ja nicht darin, überzeugen zu wollen, sondern überzeugend zu leben.“

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