Magdeburg l Ein Mann randaliert in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Sachsen-Anhalt. Er wirft mit Stühlen und als eine Krankenschwester beruhigend auf ihn einwirken will, schlägt er ihr mit der Faust ins Gesicht. Erst, als drei Pfleger eingreifen, kann der Wüterich (2,4 Promille) auf den Boden gedrückt werden. Ein Vorkommnis der jüngsten Vergangenheit, das stellvertretend für die ansteigende Zahl von gewalttätigen Übergriffen in Notaufnahmen steht.

Gestiegene Anzahl von Angriffen

Die herrschenden Zustände unterstreicht die Antwort des Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten Ulrich Siegmund. Schon die Einleitung von Ministerin Petra Grimm-Benne (SPD) legt den Finger auf die Wunde Sie spricht von einer „gestiegenen Zahl von Angriffen“.

Zwölf der 48 Kliniken Sachsen-Anhalts haben sich zu Wort gemeldet und anonymisiert zum Themenkomplex geantwortet. In den meisten Fällen wurde von „gewaltbereiten Patienten“ gesprochen. „Sachbeschädigungen im Patientenbereich“ werden aufgelistet. Das „Distanzverhalten“ habe sich „stark verändert“. Als Auslöser werden zunehmender „Alkohol- und Drogenkonsum“ genannt beziehungsweise Patienten mit „großen psychischen Auffälligkeiten“.

Bedrohungen durch Waffen

Ein Krankenhaus verwies sogar darauf, dass es Bedrohungen durch mitgeführte Waffen gegeben habe.

Ines Donner, Kaufmännische Direktorin am Johanniter-Karnkenhaus in Stendal meint zwar, dass sich die Übergriffe noch nicht mit denen in Großstädeten vergleichen ließen, „aber es gibt sie auch bei uns. Wir haben die Anmeldung mit einer Glasscheibe geschützt. Abends hält sich unser Wachpersonal nahe der Notaufnahme auf.“

Bei Ameos in Halberstadt setzt man auf „Deeskalationstrainings für Mitarbeiter. Nachts gibt es einen privaten Wachschutz“, sagt Axel Hengehold.

In Deeskalation sieht auch die Helios-Klinik in Burg eine Möglichkeit, stuationen, die sich aufschaukeln zu entspannen. Vorgesehen sei zudem, dass Geplant sei zudem, dass Mitarbeiter des Nachtdienstes künftig mit einem speziellen Telefon ausgestattet werden. „Es hat einen Alarmknopf, der unbemerkt gedrückt werden kann. Dadurch wird Alarm bei den Diensthabenden der Klinik ausgelöst“, sagt Katja Boese von Helios.

Investitionen in die Sicherheit gab es auch bei anderen Kliniken. Spitzenreiter im Land ist ein Krankenhaus, das 100 000 Euro investierte. 25 000 Euro kostete in einem weiteren Fall eine Panzerverglasung. Auf monatlich 10 000 Euro beliefen sich in einer Klinik die Kosten durch zusätzlichen Wachschutz. In eine Videoüberwachung am Zugang zur Notaufnahme wurden von einer Klinik in Sachsen-Anhalt 6600 Euro investiert.

Panikraum im Krankenhaus

Selbst ein „Panikraum“, eine geschützte Zuflucht gegen gewaltsames Eindringen hinter dem Anmeldetresen, wurde in einem Krankenhaus eingerichtet.

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