Magdeburg l Als Polizisten Ende Februar dieses Jahres eine Wohnung in Salzwedel durchsuchten und eigentlich unterschlagene Möbel und Elektrogeräte sicherstellen wollten, fiel ihnen ein Drogenbunker mit mehr als vier Kilogramm Rauschgift in die Hände. Darunter ein halbes Kilogramm Ecstasy, fast ein halbes Kilogramm Amphetamine, 1734 Ecstasy-Tabletten und ein Kilogramm Haschisch - alles im Gesamtwert von 150.000 Euro.

Inzwischen sind solche Zufallstreffer keine Seltenheit mehr. Auch im vergangenen Jahr stellten Polizisten bei Durchsuchungen, Verkehrskontrollen oder sonstigen Einsätzen größere Drogenmengen sicher. Nach einer der Volksstimme vorliegenden, bisher unveröffentlichten Statistik, die Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) am Dienstag vorstellen will, stieg die Zahl der Drogendelikte im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 9239 Fällen. Im Vergleich zum Jahr 2014 ist das ein Anstieg von 30 Prozent. Vor allem Cannabis-Fälle hatten mit einem Zuwachs von etwa 1700 Delikten den größten Anteil. Heroin-Fälle haben sich laut des im Landeskriminalamt erstellten Berichts sogar verdoppelt. Eine leichte Zunahme gab es auch bei Kokain-Straftaten.

Marktwert: 4,5 Millionen Euro

Insgesamt haben die Polizisten im Land Rauschgift im Marktwert von 4,5 Millionen Euro sichergestellt. Die größten Sicherstellungen gab es bei den Cannabis-Produkten, die einen Marktwert von etwa drei Millionen Euro ausmachten.

Die meisten Tatverdächtigen waren älter als 21, wobei sich der Zuwachs in diesem Bereich gegenüber dem Vorjahr kaum bemerkbar machte. Indes stieg die Zahl der Verdächtigen zwischen 14 und 21 Jahren im Vergleich zum Vorjahr von 1848 auf 2167.

Fokussiertes Vorgehen

Uwe Bachmann, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, führt die Entwicklung zum einen auf das fokussiertere Vorgehen der Beamten bei Drogenstraftaten zurück. "Zum anderen führt die ewige Diskussion um die Legalisierung von Cannabis zu einer Verunsicherung gerade junger Leute und ein Sinken der Hemmschwelle", so Bachmann. Helga Meeßen-Hühne von der Landesstelle für Suchtfragen Sachsen-Anhalt sagt: "Bei den Präventionsveranstaltungen zeigen sich viele sogar überrascht, dass Cannabiskonsum verboten ist. Ihnen sind auch die rechtlichen Folgen gar nicht klar."

Peter Meißner, Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter: "Mir liegen noch keine abschließenden Zahlen vor. Aber die Entwicklung zeichnete sich ab. Uns fallen bei Einsätzen oft schon die Drogen vor die Füße." Er spricht von einem "wachsenden Dunkelfeld".