Architektur

Kunst am Bau: „Seit 1990 ist nicht viel passiert“

Kunst am Bau hat vor allem in Ostdeutschland Tradition. Doch nach der Wende gab es einen Bruch. Befürworter wünschen sich mehr Projekte. Die Kunstwerke an Bauwerken sind allerdings nicht ganz billig.

Von dpa 09.10.2021, 09:47 • Aktualisiert: 10.10.2021, 15:49
Figuren des Ensembles „Chorus aus Beton“ liegen vor dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung.
Figuren des Ensembles „Chorus aus Beton“ liegen vor dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung. Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Magdeburg - Bunte Wandbilder, Metallelemente an Fassaden oder Skulpturen: Kunst an öffentlichen und privaten Gebäuden macht die Architektur oft zu einem Hingucker. Befürworter wünschen sich von den Städten und dem Land mehr Initiativen. Vom Bund gebe es eine gute Zahl an Projekten, an Landes- und städtischen Bauten gebe es deutlich weniger Kunst am Bau, sagte Petra Heise, Geschäftsführerin der Architektenkammer Sachsen-Anhalt. „Seit 1990 ist nicht viel passiert“, so Heise. Vorher habe es viel mehr Kunstförderung gegeben.

„Kunst ist immer ein Plus“, so Heise weiter. Die Bauherren hätten oft nicht genügend Geld dafür - wie etwa in Magdeburg. Bei zahlreichen Vorhaben seien die finanziellen Möglichkeiten derart begrenzt, dass nur unabdingbare Maßnahmen umsetzbar sind, heißt es in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung aus dem Jahr 2019, auf die ein Sprecher der Stadt verwies.

Ein kompletter Stillstand ist es aber nicht. In Magdeburg wurde jüngst ein Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung der Brückenwiderlager einer Eisenbahnüberführung am Hauptbahnhof vergeben. In einem zweistufigen, offenen Wettbewerb wurde der Entwurf der Künstlerin Claudia Walde aus Halle ausgewählt.

Das Thema beinhalte zwei Aspekte, sagte Jane Unger, Leiterin des Fachbereiches Kultur der Stadt Halle. Zum einen den Erhalt von Kunst am Bau und zum anderen die Erschaffung neuer Kunstwerke. Das größte Vorhaben der Stadt im kommenden Jahr sei die Restaurierung eines Wandbildes mit dem Titel „Einheit der Arbeiterklasse und Gründung der DDR“ vom spanischen Künstler Josep Renau aus dem Jahr 1974. Das Bild besteht den Angaben zufolge aus rund 10.900 mit einer Majolikamalerei versehenen Steinfliesen.

Rund 30.000 Euro stehen laut der Stadt seit diesem Jahr jährlich für Kunst am Bau bereit. Zuvor waren es 25.000 Euro jährlich. Die Berücksichtigung von Kunst am Bau bei öffentlichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen sei sehr wichtig, weil sie unter anderem eine Vorbildfunktion für private Bauvorhaben hätten, sagte Unger.

Das Land Sachsen-Anhalt hat in den vergangenen zehn Jahren nach Angaben des Landesbetriebs Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt (BLSA) bei zehn großen Baumaßnahmen Kunst am Bau realisiert. Ein Projekt ist aktuell geplant. Die Ausschreibungssumme für die Projekte lag den Angaben zufolge bei rund 1,3 Millionen Euro. Grundsätzlich liege der Orientierungswert für eine künstlerische Beteiligung bei einem Prozent der Bauwerkskosten, so das BLSA. Durch die Auslobung solcher Wettbewerbe habe der Landesbetrieb die Möglichkeit, die Baukultur im Land zu fördern, regionale Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen sowie stadt- und stadtteilprägend zu wirken, sagte BLSA-Geschäftsführer Andreas Grobe.

Im gleichen Zeitraum wurden vom Land 53 große Bau- und Sanierungsmaßnahmen mit jeweils Kosten über 1,5 Millionen Euro fertiggestellt. Das Gesamtvolumen der Maßnahmen lag bei rund 530 Millionen Euro.