Berlin/Magdeburg (dpa) l Sachsen-Anhalt bleibt beim Thema Digitalisierung einer Untersuchung zufolge hinter den meisten Bundesländern zurück. In einem am Montag veröffentlichten Ländervergleich des Kompetenzzentrums Öffentliche IT am Berliner Fraunhofer-Institut belegt Sachsen-Anhalt vor Thüringen den vorletzten Platz. Besonders schlecht steht es demzufolge um den Anteil der Haushalte mit schnellem Internet, die Gründung neuer Betriebe im IT-Bereich und die Digitalisierung der Verwaltung. An der Spitze des Ländervergleichs stehen die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen.

Der Index ist ein Punktesystem, das den Fortschritt der Digitalisierung auf Länderebene abbilden soll. Die Forscher werteten für ihre Erhebung frei zugängliche Statistiken aus und untersuchten mehr als 300 kommunale Webportale. Im Fokus standen die Kategorien Infrastruktur, digitales Leben, Wirtschaft und Forschung, Bürgerservices sowie Digitale Kommune. Sachsen-Anhalt kommt auf einen Gesamtwert von 50,60, Thüringen auf 50,20 und Berlin auf 102,50.

Verwaltungsvorgänge unter der Lupe

Untersucht wurde etwa die Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen. Kann eine Baugenehmigung im Internet beantragt werden, wie steht es um Gewerbeanmeldungen, die Neuzulassung eines Autos, eine Melderegisterauskunft oder einen Wohngeldantrag? Es zeigte sich: Gewerbeanmeldungen sind inzwischen in 37 Prozent der Kommunen möglich. Die Möglichkeit, online einen Bauantrag zu stellen, bietet dagegen nur jedes zehnte Webportal.

Alle untersuchten Dienstleistungen zusammen betrachtet, steht es um die digitale Verwaltung in Sachsen-Anhalt besonders schlecht: Der durchschnittliche Anteil der vollständig digitalisierten Verfahren betrug 2018 gerade einmal 3,53 Prozent. In Hamburg waren es 60 Prozent. Die Kommunikation mit Behörden funktioniere aber schon deutlich häufiger digital. 48 Prozent der Sachsen-Anhalter nutzten der Untersuchung zufolge im Jahr 2017 das Internet, um mit Behörden in Kontakt zu treten.

Soziale Netzwerke in der Kritik

Im Bereich des digitalen Lebens betrachteten die Forscher auch die Nutzung sozialer Medien. In Sachsen-Anhalt gaben zuletzt 41 Prozent der Einwohner an, auf Twitter, Facebook, Instagram und Co. unterwegs zu sein. Nur in Brandenburg war der Anteil mit 38 Prozent noch geringer. Spitzenreiter in diesem Bereich war Rheinland-Pfalz (60 Prozent).

Allerdings stellten die Forscher fest, dass die Begeisterung für soziale Netzwerke in Deutschland nicht mehr überall ungebrochen ist. Zwischen 2015 und 2017 stieg der Anteil der Netzwerk-Nutzer nur im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Hamburg geringfügig. In allen anderen Bundesländern sank der Anteil der User im gleichen Zeitraum – teilweise um bis zu 18 Prozent. Dass die Ost-Bundesländer mit Ausnahme von Berlin alle Werte von unter 50 Prozent erreichten, dürfte auch der Tatsache geschuldet sein, dass aus diesen Regionen in den vergangenen Jahrzehnten besonders viele junge Menschen abgewandert sind.