Digitaler Impfpass

Apotheken in Sachsen-Anhalt stellen am ersten Tag zahlreiche digitale Impfpässe aus

DerImpfnachweis fürs Handy geht in Sachsen-Anahlt an den Start. Welche Schwierigkeiten es gab und warum sich der neue Service für die Apotheken im Land lohnt.

Von Kaya Krahn und Tom Szyja
Mathias Krause, Filialleiter  der Löwen-Apotheke in Barleben,  beim Erstellen eines digitalen Impfnachweises.
Mathias Krause, Filialleiter der Löwen-Apotheke in Barleben, beim Erstellen eines digitalen Impfnachweises. Foto: Kaya Krahn

Barleben/Magdeburg - In der Löwen-Apotheke in Barleben klingelt leise die Türglocke, als eine Frau mittleren Alters eintritt. „Ich würde gerne meinen digitalen Impfnachweis abholen“, sagt sie. Die Apothekerin nickt, geht ins Hinterzimmer und händigt der Kundin zwei Zettel mit QR-Codes aus. „Es gibt zwei separate Nachweise, jeweils für die erste und zweite Impfung“, erklärt der Inhaber Ulrich Korn. Diese QR-Codes könnten mit dem Mobiltelefon über die Corona-Warn-App oder die App CovPass eingescannt werden.

Seit gestern stellen die Apotheken in Sachsen-Anhalt kostenlos digitale Impfnachweise aus. Laut dem Landesapothekerverband (LAV) beteiligen sich 89 Prozent der Apotheken, die im Verband organisiert sind. In der Landeshauptstadt machen 30 Apotheken mit. Fast jeder vierte Sachsen-Anhalter könnte vom neuen digitalen Pass profitieren: 563.578 Personen im Land haben bereits ihre Zweitimpfung erhalten (Stand: 14. Juni 2021). Insgesamt wurden im Land 1.003.756 Personen geimpft - 511.845 davon in Arztpraxen, wie die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt mitteilt.

Die Zweitgeimpften könnten nun bei etwaigen Freizeitaktivitäten darauf verzichten, ihr gelbes Impfbuch mitzuführen. Der Vorsitzende des LAV Mathias Arnold bittet jedoch darum, dass nicht alle Geimpften direkt in die Apotheken stürmen. „Weiterhin kann der gelbe analoge Nachweis mitgenommen werden.“

Die größte Hürde am Starttag: Die Technik. „Heute Morgen war der Server überlastet“, sagt Korn. Ein Problem, das in ganz Sachsen-Anhalt auftrat. Bis zum Mittag konnte es behoben werden. „Es ist kein Wunder, dass ein Server überlastet ist, wenn plötzlich alle zeitgleich versuchen, darauf zuzugreifen“, sagt Katrin Pohl, Sprecherin vom LAV.

Trotzdem wurden bereits zahlreiche Nachweise ausgestellt. Die Leopold-Apotheke in Staßfurt hat beispielsweise rund 80 digitale Impfpässe ausgegeben. Auch in Schönebeck lief der Service nach Anfangsschwierigkeiten gut an: In der Adler-Apotheke holten sich bis zum Mittag 10 Kunden ihren Impfpass fürs Mobiltelefon ab.

In Stendal funktioniert der Service fast überall problemlos, mit Ausnahme der Winckelmann-Apotheke. Dort rechnet man mit einem Start in der kommenden Woche. Die Nachfrage in der Hansestadt ist groß: Die Roland-Apotheke erhielt nach eigenen Angaben in den ersten Stunden fast 100 Anfragen.

Ähnlich großes Interesse gab es im Harz: In Blankenburg holten sich in der Apotheke im Nordharz-Center bis kurz vor dem Mittag bereits 55 Nutzer ihr digitales Impfzertifikat ab.

Nachweis fürs Mobiltelefon im Volksstimme-Selbsttest

In Magdeburg sind die Erfahrungen geteilt: Für Lars Mohrenweiser, Leiter Sonnenapotheke Magdeburg, klappt der neue Service gut. Anders sieht es Yvonne Steinhübl-Orlamünder von der Ginkgo-Apotheke: „Bislang können wir keine Zertifikate ausdrucken. Die Server sind überlastet und wir wurden gebeten, von einer Anfrage an den technischen Support abzusehen“, sagt sie am Montagmittag.

Um den digitalen Impfnachweis zu bekommen, müssen Kunden ihren Personalausweis sowie den analogen Impfnachweis mitbringen. Liegen die Dokumente vor, geht das Ausstellen schnell. Das zeigt ein Volksstimme-Selbstversuch: Nach weniger als fünf Minuten hat Volksstimme-Autorin Kaya Krahn ihren digitalen Impfnachweis in Barleben in den Händen – beziehungsweise auf dem Telefon.

Für die Apotheken lohnt sich der Mehraufwand - sie bekommen nach Angaben der LAV für jeden ausgestellten Impfnachweis Geld. Lässt sich ein Kunde bei einem einzigen Besuch beide Impfnachweise, also für die erste und zweite Impfung, ausstellen, bekommt die Apotheke dafür 24 Euro – 18 Euro für die Erstimpfung, sechs für die Zweitimpfung. Lässt ein Kunde seine beiden Impfungen zu verschiedenen Zeitpunkten digitalisieren, bekommt die Apotheke jeweils 18 Euro – insgesamt also 36 Euro. Und bei einer einfachen Impfung mit Johnson und Johnson sind es 18 Euro.

Abgerechnet wird das laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zuerst über die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds und wird anschließend vom Bund erstattet.

Die Kassenärztliche Vereinigung teilte auf Anfrage mit, dass der digitale Impfpass Anfang Juli auch in Hausarztpraxen erhältlich sein soll.

Welche Apotheken den digitalen Impfnachweis ausstellen, ist im Internet auf www.mein-apothekenmanager.de aufgelistet.