Kriminalität

Einbrecher bringen mit Diebstahl von Rettungsgeräten Feuerwehren in Not

Bei 75 Einbrüchen in Gerätehäuser der Feuerwehren im Land ist laut Landeskriminalamt seit 2017 ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden. Ziel waren oft Spezialgeräte.

Von Matthias Fricke
Eine der von Einbrechern aufgesuchten Feuerwehr-Wachen, hier in Hamersleben in der Börde.
Eine der von Einbrechern aufgesuchten Feuerwehr-Wachen, hier in Hamersleben in der Börde. Foto: Polizei

Magdeburg - Ohne es zu wissen, ist die Freiwillige Feuerwehr Burg (Jerichower Land) Anfang April über Nacht nicht einsatzbereit. Diebe öffneten bei einem Einbruch in der Wache die Türen des sogenannten Vorausrüstwagens, ein großer Jeep, dessen Innenleben unter anderem aus einem hydraulischen Rettungssatz besteht. Dieser Schneider und Spreizer wird vor allem bei Verkehrsunfällen auf der Autobahn 2 eingesetzt. Mit dem hydraulischen Gerät lassen sich verklemmte Autotüren aufbrechen oder dicke Metallstreben durchtrennen. Nach dem Einbruch fällt der Jeep länger aus. Burgs Ortswehrleiter Jens Wiedemann: „Wir haben jetzt zwar ein Leihgerät, aber bis wir ein neues erhalten, wird es dauern.“ Der Lieferant habe eine Wartezeit von zwölf Wochen signalisiert. Insgesamt entstand ein Schaden von 60.000 Euro. Von der Not, im Ernstfall nicht helfen zu können, einmal abgesehen.

Mit dem Problem sind die Burger nicht allein. Auch in Gräfenhainichen (Landkreis Wittenberg) ist erst im Februar ein solches Gerät aus der Hauptwache entwendet worden. Bereits im April und Juni 2020 ließen Einbrecher bei der Freiwilligen Feuerwehr Magdeburg-Südost ein hydraulisches Rettungsgerät mitgehen. Die Vermutung: Solche Spezialgeräte werden oft bei Einbrüchen in Geldautomaten oder Schließfächern genutzt und deshalb gezielt gestohlen. Auch die Juwelendiebe vom Grünen Gewölbe in Dresden sollen so etwas verwendet haben.

Nach einer Analyse des Landeskriminalamtes (LKA) sind in etwas mehr als vier Jahren 75 Einbrüche in den Gerätehäusern der Feuerwehr des Landes registriert worden. Zehn waren es bereits in den ersten viereinhalb Monaten dieses Jahres, 17 im gesamten Vorjahr. Der Schaden bewegt sich im sechsstelligen Bereich. Zu insgesamt sieben geklärten Fällen konnte die Polizei zehn deutsche und einen tschechischen Verdächtigen zuordnen. LKA-Sprecher Michael Klocke: „Früher waren Funkgeräte häufig das Ziel, jetzt sind es akkubetriebene Werkzeuge, Rettungsscheren und teure Motorkettensägen.“ Letztere wurden bei Einbrüchen in Hamersleben und Wackersleben vor zwei Wochen entwendet. Die Motorkettensägen sind rund tausend Euro wert. Vize-Gemeindewehrleiter der „Westlichen Börde“ Clemens Köhler: „Ein Gerät war nach einem Diebstahl 2018 erst neu beschafft worden.“

Im Januar holten Einbrecher drei Motorkettensägen aus den zu Flechtingen (Börde) zählenden drei Wachen Uhrsleben, Hakenstedt und Erxleben. Vor allem entlang der A2 häufe sich das, sagt Frank Alversmann von der Verbandsgemeinde-Feuerwehr Flechtingen. Kai-Uwe Lohse, Chef des Landesfeuerwehrverbandes, warnt: „Das kann hochdramatisch enden, wenn der Diebstahl erst im Einsatz bemerkt wird.“