Wahl Sachsen-Anhalt

Haseloff übertrumpft Böhmer

Wo liegen die Hochburgen der Parteien? Wo versagten sie. Eine Übersicht zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt.

Von Jens Schmidt
Amtsinhaber Reiner Haseloff mobilisierte mit seiner CDU so stark wie seit 31 Jahren nicht mehr. Fast 400 000 Wähler machten bei der Union ihr Kreuz. Gemessen an der Gesamtzahl der Wahlberechtigten   war er am Sonntag noch erfolgreicher als sein populärer Vorgänger Wolfgang Böhmer.
Amtsinhaber Reiner Haseloff mobilisierte mit seiner CDU so stark wie seit 31 Jahren nicht mehr. Fast 400 000 Wähler machten bei der Union ihr Kreuz. Gemessen an der Gesamtzahl der Wahlberechtigten war er am Sonntag noch erfolgreicher als sein populärer Vorgänger Wolfgang Böhmer. dpa

Magdeburg - Die CDU legte nicht nur prozentual zu. Auch  bei den absoluten Stimmen verbucht Haseloff und seine Union ein fettes Plus. Die SPD hingegen verliert fast überall Boden unter den Füßen.

Stimmenkönig Haseloff

Viele Minister und Parteichefs treten auch als Kandidat in ihrem Wahlkreis an. Das Ergebnis verrät einiges darüber, wie geschätzt eine Person ist. Der absolute Stimmenkönig ist  dieses Mal  Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Er erhielt in seinem Heimatwahlkreis Wittenberg fast 54 Prozent. So eine hohe Zustimmung ist selten. 2016 lag der Erststimmen-Rekord bei 42,4 Prozent.

Doch auch der von Haseloff  geschasste Holger Stahlknecht zeigte, dass mit ihm noch zu rechnen ist:  Der Ex-Innenminister gewann seinen Wahlkreis Wolmirstedt haushoch mit 40,4 Prozent – das waren fast drei Punkte mehr als 2016.

In einigen Wahlkreisen trafen gleich  mehrere politische Schwergewichte aufeinander. So in Schönebeck. Hier setzte sich Kultur-Staatssekretär Gunnar Schellenberger (CDU) mit 34,5 Prozent  überraschend klar gegen Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD/13%) und Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern (12,9%) durch.

CDU macht mobil

Dass die Wahlbeteiligung dieses Mal sogar noch etwas höher lag als im aufgewühlten Jahr 2016, hatte kaum jemand erwartet. Das lag an der CDU, die so stark mobilisierte wie lange nicht: Fast 395.000 Sachsen-Anhalter machten ihr Kreuz bei der Union. Das waren 60.000 Zweitstimmen mehr als vor fünf Jahren. Die CDU konnte  somit 22 Prozent aller Wahlberechtigten an sich binden. Eine so hohe Mobilisierung erreichte die Union seit 1990 nicht mehr. Haseloff und seine Partei waren in dieser Hinsicht  noch erfolgreicher als Wolfgang Böhmer bei seinem furiosen Comeback der CDU 2002.

AfD verliert 14 Kreise

Die AfD hat nicht nur 50.000 Zweitstimmen eingebüßt, die  Kandidaten haben  auch fast alle ihrer Wahlkreise an die CDU verloren. Einzig im Wahlkreis Zeitz holte ihr Bewerber Lothar Waehler ein Direktmandat. Dennoch bleiben die Rechtsnationalen mit Abstand die zweitstärkste Kraft in Sachsen-Anhalt und die größte Oppositionsfraktion im Landtag. Im Süden erzielt die AfD oft deutlich mehr als 25 Prozent.

Sehr stark ist die Partei  im Wahlkreis Staßfurt: Dort erreicht sie mit 28 Prozent das Bestresultat. Innerhalb des Wahlkreises sticht  Hecklingen mit 32 Prozent hervor. Einen großen Anteil daran dürfte der Abgeordnete Matthias Büttner haben, der mit fast 29 Prozent das zweitbeste Erststimmenresultat unter den AfD-Bewerbern holte. In den Großstädten Magdeburg und Halle kann die AfD kaum noch punkten. Ihren Spitzenwert erzielt die AfD wie bereits 2016 in  der 900-Einwohner-Gemeinde Schnaudertal  im Burgenlandkreis. Dort kommt die Partei auf 37,4 Prozent.

Nur ein Linker überzeugt

Einst war sie die Protestpartei im Land; seit 2016 aber befindet sich die Linke auf abschüssigem Gelände.  125.000 Stimmen büßte die Partei 2016 ein, dieses Mal sind es weitere  70.000. Nur noch sechseinhalb Prozent der Wahlberechtigten vermag die Linke zu mobilisieren, das ist weniger als 1990, als der Partei noch schwerer DDR-Geruch anhaftete. Ihr Spitzenpersonal zieht nicht mehr. Einzige Ausnahme: Andreas Henke. Der einstige Halberstädter Bürgermeister holte als Direktkandidat 22 Prozent. Er zieht über die Landesliste in den Landtag.

Trauerspiel SPD

Das Trauerspiel hält bei den Sozialdemokraten an. Mit jeder Wahl erreicht die Partei einen neuen Tiefpunkt. Am Sonntag verlor die SPD weitere 30.000 Wählerinnen und Wähler. Nicht einen einzigen Wahlkreis konnten SPD-Bewerber gewinnen.  Auch Spitzenkandidatin Katja Pähle nicht. Lichtblicke gab es einzig im Harz mit Wirtschaftsminister Armin Willingmann (24 Prozent) und im Burgenlandkreis mit Fraktionsvize Rüdiger Erben (23 Prozent).

Liberaler Landwirt vorn

Die Liberalen erlebten innerhalb weniger Monate ihre politische  Wiederauferstehung.  Noch 2020 hatte sie niemand auf dem Zettel. Ab Januar drehte sich in den Umfragen der Wind. Am Sonntag kreuzten gut 68.000 Wähler die FDP an; so viel, wie seit 2002 nicht mehr. Stark war die FDP im Wahlkreis Staßfurt. Hier zieht vor allem der Landwirt Johannes Hauser. Mit fast 12 Prozent Erststimmen holte er unter den FDP-Bewerbern das beste Ergebnis.

Grüne ohne Stars

Die Umfragen klangen verheißungsvoll. Die Grünen durften erwarten, dass sich ihr Ergebnis von 2016 verdoppelt. Doch der Zuwachs fiel wesentlich bescheidener aus. 58.000 Stimmen waren es 2016 - 63.000 Kreuze waren es am Sonntag. Das magere Plus ließ Hoffnungen schwinden. So auch beim früheren Schwimm-Star Antje Buschschulte. Nur sechs grüne Bewerber ziehen in den Landtag, sie steht aber auf Rang neun der Landesliste und hat somit keine Chance.

Innerhalb des Landes ist die Ergebnis-Spannbreite  bei der Ökopartei groß. Sie reicht von 14 Prozent in Halle (gesamte Stadt) bis 0,6 Prozent in Wethau im Burgenlandkreis.