Delta-Variante

Impf-Empfehlung für Kinder weiter nicht in Sicht

In vielen Ländern steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen mit der Delta-Variante rasant. Betroffen sind häufig auch Jugendliche und Kinder. Doch während die USA bereits Millionen Teenager ab 12 Jahren geimpft haben, halten Politik und Experten sich in Deutschland und Sachsen-Anhalt zurück.

Von Alexander Walter 30.06.2021, 08:43
Eine Kinderärztin impft einen Jungen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech-Pfizer. Eine allgemeine Impf-Empfehlung für Jugendliche unter 16 Jahren sehen Experten in Sachsen-Anhalt skeptisch.
Eine Kinderärztin impft einen Jungen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech-Pfizer. Eine allgemeine Impf-Empfehlung für Jugendliche unter 16 Jahren sehen Experten in Sachsen-Anhalt skeptisch. Foto: dpa

Magdeburg - Trotz erwarteter Ausbreitung der Delta-Variante, bleibt Sachsen-Anhalt in der Frage von Corona-Impfungen für Jugendliche unter 16 Jahren zurückhaltend: „Wer als Elternteil eine Impfung für sein Kind wünscht, sollte sich durch den Kinderarzt seines Vertrauens beraten lassen“, bekräftigte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) gestern auf Volksstimme-Anfrage.

Hintergrund: Für die Altersgruppe liegt weiter keine allgemeine Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission (Stiko) vor. Das für Deutschland zuständige Expertengremium hat Impfungen mit dem von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA ab 12 Jahren freigegebenen Biontech-Wirkstoff erst ab 16 Jahren empfohlen.

Ihre Haltung begründet die Stiko damit, dass Kinder in der Regel weniger schwere Verläufe aufwiesen und nicht Treiber der Pandemie seien. Der Magdeburger Kinderarzt Gunther Gosch hält zudem die Studienlage für zu dünn, um das Risiko von Nebenwirkungen bei Kindern bewerten zu können. Simone Heinemann-Meerz, scheidende Ärztekammer-Präsidentin in Sachsen-Anhalt, sieht das ähnlich: „Es ist unverantwortlich, Kinder unter 16 Jahren generell gegen Corona zu impfen“, sagte sie. Geimpft werden sollte nur, um Risiken zu minimieren. Ob das bei den zumeist milden Corona-Verläufen bei Kindern und Jugendlichen der Fall ist, sei aber fraglich.

Die Ausbreitung der Delta-Variante ändere daran nichts. Viel zu wenig sei über die Variante bekannt, so Heinemann-Meerz.

In Sachsen-Anhalt waren, Stand Freitag, 24 Infektionen mit der Delta-Variante bekannt. Die meisten (13) wurden in Magdeburg gemeldet. In anderen Ländern, darunter Großbritannien, breitet sich die Variante derweil in hohem Tempo aus. Wie die „Sunday Times“ berichtet, ist die Zahl der infizierten 5- bis 9-Jährigen im Vereinigten Königreich in der Woche zum 20. Juni im Vergleich zur Vorwoche um 70 Prozent gestiegen.

In den USA wurden zur Vorbeugung der Pandemie-Ausbreitung inzwischen bereits auch Millionen Teenager ab 12 geimpft. Stiko-Sprecherin Susanne Glasmacher sagte, die Stiko beobachte die Erfahrungen in den USA genau. Eine Neubewertung für Deutschland sei dennoch „eher eine Frage von Wochen als von Tagen“. In Sachsen-Anhalt hatten bis gestern laut Robert-Koch-Institut 1,8 Prozent der unter 18-Jährigen mindestens eine Impfung bekommen. Bei den 18-59-Jährigen waren es 44,2 Prozent, bei den Über-60-Jährigen 76,7 Prozent.

Zu Plänen von Bildungsminister Marco Tullner (CDU), künftigen Abschlussklassen bevorzugt Impftermine anzubieten, teilte das Gesundheitsministerium inzwischen mit: Nach Aufhebung der Impfpriorisierung könnten sich Schüler ab 16 um einen Termin in ihrem Impfzentrum bemühen. Schüler ab 12 mit chronischen Vorerkrankungen sollten sich vom Facharzt beraten lassen.