Weltnichtrauchertag

Jeder Vierte in Sachsen-Anhalt greift noch zur Kippe

Der Weltnichtrauchertag (31. Mai) steht in diesem Jahr unter dem Motto „Commit to Quit“ (Sag ja zum Rauchverzicht). in Sachsen-Anhalt raucht jeder Vierte. 

Von Christoph Carsten
Nicht nur am Weltnichtrauchertag warnen Gesundheitsbehörden und Suchtberatungsstellen or den Gefahren des Rauchens.
Nicht nur am Weltnichtrauchertag warnen Gesundheitsbehörden und Suchtberatungsstellen or den Gefahren des Rauchens. Foto: Imago

Magdeburg - Paffen, schmöken, schmauchen, dampfen, quarzen, qualmen, pofeln, fluppen – ließe sich die Beliebtheit einer Tätigkeit anhand der Zahl ihrer Synonyme ermitteln, das Rauchen stünde weit vorn.

1063 Zigaretten konsumierte jeder Erwachsene nach Zahlen des Statistischen Bundesamts im Jahr 2020 im Schnitt. 2011 waren es noch 1305 – ein Rückgang um 19 Prozent.

In Sachsen-Anhalt greift noch jeder Vierte regelmäßig zur Zigarette. Immerhin: Auch hier ist seit einigen Jahren eine rückläufige Entwicklung zu beobachten, wie das Statistische Landesamt aus Daten des Mikrozensus von 2017 schließt.

Männer rauchen öfter

Im Jahr 2008 führte Sachsen-Anhalt das Nichtraucherschutzgesetz ein. Zwischen 2009 und 2017 sank die Zahl der Raucher im Land von 28,9 Prozent auf 24,8 Prozent. Alter und Geschlecht spielen dabei eine Rolle: Der typische Raucher ist männlich und zwischen 30 und 35 Jahre alt – in dieser Gruppe rauchten rund 46 Prozent der Befragten.

„Zigarettenrauchen ist der wichtigste Risikofaktor für mehrere Krebserkrankungen, vor allem für Lungenkrebs“, sagt Prof. Jens Schreiber, Direktor der Universitätsklinik für Pneumologie in Magdeburg. Wer auf das Rauchen verzichte, könne auch das Risiko weiterer schwerer Krankheiten wie der chronisch-obstruktiven Bronchitis (COPD) und Herz-Kreislauferkrankungen verringern.

Nach Schätzungen des Gemeinsamen Krebsregisters der ostdeutschen Bundesländer (GKR) werden 2021 etwa 1230 Männer und 600 Frauen in Sachsen-Anhalt neu an Lungenkrebs erkranken. In acht von zehn Fällen ist das Rauchen Auslöser für Lungenkrebs, schätzt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ).

In der Corona-Krise erhalten die gesundheitsschädlichen Aspekte des Rauchens neue Aufmerksamkeit. So sei bei Rauchern nicht nur das Infektionsrisiko, sondern auch die Gefahr eines schweren Verlaufs mit Todesfolge erhöht, sagt Pneumologe Schreiber. Hinzu komme: „Was wir in den Monaten der Pandemie beobachten mussten, war, dass Patienten mit Lungenkrebs leider eine Diagnostik und Therapie aus Angst vor einer Ansteckung verzögert haben“, sagt Schreiber. Oft sei dann das Krebsstadium aber schon zu weit fortgeschritten und nicht mehr heilbar.

Kritik an Tabakkontrolle

Im Bundesvergleich liegt Sachsen-Anhalt laut Statista an fünfter Stelle: Die meisten Raucher gibt es in Mecklenburg-Vorpommern (27,7 Prozent) und Bremen (27,4 Prozent), am seltensten zum Glimmstängel greifen die Bayern (20,5 Prozent) und die Saarländer (20,6 Prozent).

Kritik kommt von der Landesstelle für Suchtfragen im Land Sachsen-Anhalt (LS-LSA). Europaweit sei Deutschland Schlusslicht bei der Umsetzung der WHO-Rahmenkonvention zur Eindämmung des Tabakkonsums. Die Konvention sieht Werbeverbote, Steuererhöhungen und eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Rauchprodukten vor.