Pflege Sachsen-Anhalt

Land geizt bei Förderung, Heimbewohnern drohen steigende Preise

Die meisten Bundesländer helfen den Heimen bei den Baukosten – Sachsen-Anhalt bislang nicht. Was macht die neue Koalition?

Von Jens Schmidt
Heimbewohner werden an Bau- und Investitionskosten der Pflegeeinrichtung beteiligt. Jetzt werden Forderungen laut, dass Sachsen-Anhalts Landeskasse künftig einen Teil dieser Kosten übernimmt, um Heimbewohner zu entlasten.
Heimbewohner werden an Bau- und Investitionskosten der Pflegeeinrichtung beteiligt. Jetzt werden Forderungen laut, dass Sachsen-Anhalts Landeskasse künftig einen Teil dieser Kosten übernimmt, um Heimbewohner zu entlasten. Foto: dpa

Magdeburg - Ob Umbau, neue Heizung oder  bessere Technik:  Rücken im Pflegeheim die Handwerker an, werden die Heimbewohner an den Kosten beteiligt. Und das nicht zu knapp. Beispiel AWO Seniorenzentrum Zerbst: Gut 1516 Euro sind insgesamt für einen vollstationären Platz im Monat fällig. Darin stecken der reine Pflege-Preis (515 €), die Kosten für Unterkunft und Essen (585 €) – sowie eine Investitionskosten-Umlage von 416 Euro. In einem Magdeburger Haus sind sogar schon 640 Euro dafür fällig.

In Sachsen-Anhalt kletterte die monatliche Eigenbeteiligung  der Heimbewohner seit 2018 von durchschnittlich 1200 Euro auf gut 1500 Euro. Die darin enthaltene Invest-Umlage stieg im Mittel auf 300 Euro.  Dieser Mittelwert dürfte weiter klettern.  Denn: Viele Häuser wurden in den 90er Jahren auf Vordermann gebracht. Nach gut 30 Jahren sind Sanierung und Heizungserneuerung fällig. Außerdem steigt die Nachfrage nach Einbettzimmern. Das erfordert Umbauten. Die angestrebte  Quote von 80 Prozent ist noch nicht erreicht. Hinzu kommt der Bedarf nach besserem Internet.  „Und wenn die Zahl der Pfleger weiter zurückgeht, kommen in Zukunft sicherlich auch  Investitionen in neue Technik auf uns zu – von besseren Hebehilfen  bis hin zu Pflegerobotern“, sagt Antje Ruddat, Geschäftsführerin vom Arbeiter-Samariter-Bund Magdeburg.

Um den Preisanstieg zu dämpfen, beteiligen sich viele Länder an den Baukosten. Mecklenburg-Vorpommern etwa investiert – aufgeschlüsselt auf jeden Heimbewohner – pro Kopf gut 1550 Euro. In Sachsen-Anhalts Bilanz steht an dieser Stelle eine Null. Das Land gehört mit Rheinland-Pfalz und Sachsen zu den drei Ländern, die sich  geizig zeigen. Kassen und Träger fordern ein Umdenken. „Wenn das Land in die Finanzierung der Investitionskosten einsteigt, würde das Pflegebedürftige spürbar entlasten“, sagt Barmer-Landesgeschäftsführer  Axel Wiedemann. So sieht das auch der Heimbetreiber AWO.

45 Millionen Euro wären nötig

Das Problem ist bei den angehenden Koalitionären  angekommen. „Das gehört ins Verhandlungspaket“, sagt CDU-Sozialpolitiker Tobias Krull.  „Da muss etwas passieren“, meint FDP-Fraktionschefin Lydia Hüskens. SPD-Fraktionschefin Katja Pähle will prüfen, welche Entlastung möglich sind.

In Sachsen-Anhalt werden 29000 Menschen stationär gepflegt. Wäre Mecklenburg-Vorpommern der Maßstab, müsste die Koalition 45 Millionen Euro pro Jahr einplanen.

„Sachsen-Anhalt wird einen größeren Beitrag leisten müssen als bisher“, mahnt der Magdeburger CDU-Bundestagsabgeordnete Tino Sorge Der Bund wird ab 2022 preisdämpfend helfen.