Nach Wahldebakel

Landtagskandidat der SPD Sachsen-Anhalt kehrt der Partei frustriert den Rücken

Leon Bergner ist enttäuscht über Arbeit der Landtagsfraktion

Von Michael Bock
Leon 
Bergner
Leon Bergner Foto: SPD

Sangerhausen - Nach dem desaströsen Ergebnis der Sozialdemokraten bei der Landtagswahl ist der Sangerhäuser SPD-Stadtverbandsvorsitzende und Direktkandidat für die Landtagswahl, Leon Bergner, aus der Partei ausgetreten. Das bestätigte der 23-Jährige am Dienstag der Volksstimme.

Bei der Landtagswahl hatte die SPD 8,4 Prozent der Stimmen geholt. Sie hat jetzt nur noch neun Sitze im Parlament.

Bergner, der seit 2017 in der SPD war, begründete seinen Austritt mit der Arbeit der Landtagsabgeordneten. Er habe den Eindruck gewonnen, dass diese nicht mit dem Herzen dabei seien. Stattdessen versuchen man, die eigene Karriere voranzutreiben. „Aus der Landtagsfraktion ist zu wenig gekommen, was dem Land weiterhilft“, sagte der Student. Die SPD-Fraktion sei zu zahm gewesen, sie habe zu wenig eigene Ideen gehabt.

Spitzenkandidatin Katja Pähle habe bei parteiinternen Veranstaltungen immer wieder gesagt, wie schlimm die CDU sei und dass mit ihr ein ordentliches Regieren nicht möglich sei. Nach der Wahl habe sie erklärt, die SPD stehe wieder als Regierungspartner für die CDU bereit. „Das ist scheinheilig“, sagte Bergner.

Der SPD-Kreisvorsitzende Norbert Born sagte gestern der Volksstimme, er wolle den Parteiaustritt Bergners „nicht überbewerten“. Die Kritik des Studenten an der Arbeit der Landtagsabgeordneten nannte Born „anmaßend“. Dies lasse sich nicht aus der Ferne beurteilen, betonte er.

Born saß zwischen 2006 und 2016 für die SPD im Landtag. Zeitweise war der 59-Jährige Vize-Landeschef.

In der Landes-SPD brodelt es momentan. Nach dem Wahldebakel wollen nicht wenige, dass Wirtschaftsminister Armin Willingmann künftig eine wichtigere Rolle in der Partei spielt. Der aber zögert noch. Für viel Ärger sorgte auch ein Mitgliederbrief der beiden Landesvorsitzenden, in dem ein parteiinterner Kritiker Maß genommen wurde.