Kriminalfall

Polizei gräbt Maya-Schatz in einem Bauernhaus-Keller in Klötze aus

Im Keller eines Hauses waren über viele Jahre 13 Raubgräberstücke aus Mittelamerika versteckt. Noch im Mai plant die Staatskanzlei die Rückgabe an Mexiko und Guatemala.

Von Matthias Fricke
Auch diese Maya-Keramik wurde in einem Keller in Salzwedel entdeckt.
Auch diese Maya-Keramik wurde in einem Keller in Salzwedel entdeckt. Foto: Polizei

Magdeburg/Klötze. Noch liegen die teils mehr als 1500 Jahre alten reichlich verzierten Ton-Figuren, buntes Geschirr und Scherben im Tresor der Magdeburger Staatskanzlei. Doch schon Ende Mai soll das von der Polizei in einem Altmärker Bauernhaus-Keller gefundene historische Erbe Mittelamerikas aus der Maya- und Teotihuacán-Kultur an Mexiko und Guatemala zurückgegeben werden.

Die 13 Fundstücke sind Teil eines ungewöhnlichen Kriminalfalls: Ein 66-jähriger Mann aus Klötze, der seit vielen Jahren in Frankreich lebt, hatte im Jahr 2007 die 13 Fundstücke in einer Kunststoff-Tonne zusammen mit zwei Waffen seines Großvaters in seiner Heimat vergraben. Vor einigen Monaten zeigte sich der Mann bei der Polizei in Salzwedel selbst an und beschrieb der Polizei das Versteck im Keller seines ehemaligen Bauernhauses. Die neuen Eigentümer waren überrascht, als im November die Polizisten zwei alte Waffen und einen Kunststoffbehälter mit den Figuren und Zeitungen aus dem Jahr 2007 ausgruben. „Wir gehen davon aus, dass zu dieser Zeit der Eigentümer die Gegenstände dort auch vergraben hat“, erklärt LKA-Sprecher Michael Klocke.

Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen wegen des Waffendeliktes (inzwischen verjährt) und des Verstoßes gegen das Kulturgutschutzgesetz ein. Das gab es laut Staatsanwalt Thomas Kramer zur Tatzeit noch nicht. Der renommierte Maya-Experte Professor Nikolai Grube von der Universität Bonn bestätigte die Echtheit des Fundes. Über das Auswärtige Amt sind nun die Botschaften von Guatemala und Mexiko informiert und der Rücktransport organisiert worden. So lange blieb der Fall aus diplomatischen Gründen geheim. Nun ist eine offizielle Übergabe am 20. Mai geplant. Sachsen-Anhalts Kultur-Staatssekretär Gunnar Schellenberger: „Die Landesbehörden arbeiteten Hand in Hand und konnten nun die Rückgabe nach Zentralamerika ermöglichen.“ Solche Raubgrabungen „vernichten wichtige historische Informationen über die kulturelle Überlieferung der Menschheit“. Mit Blick auf die Himmelsscheibe von Nebra sagt er: „Auch Sachsen-Anhalt wäre durch Raubgrabungen beinahe um einen seiner wertvollsten Schätze gebracht worden.“

Das Volk der Maya: Die Kultur konzentriert sich um die Halbinsel Yucatan im Golf von Mexiko. Das gesamte Gebiet der Maya verteilt sich heute auf fünf Länder: Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador. Die Fläche des einstigen Maya-Reiches, das aus rund 50 Kleinstaaten bestand, ist in etwa vergleichbar mit der Größe Deutschlands. Bis heute gibt es mehr Theorien als wirkliches Wissen über das Leben der Maya. Warum sie sich ausgerechnet im tropischen Klima Yucatans angesiedelt haben, ist genauso rätselhaft, wie ihr Verschwinden.

Entdeckung: Erst im 18. und 19. Jahrhundert gingen Forscher im mexikanischen Dschungel der Legende von überwucherten Tempeln nach. Erste dieser Bauwerke wurden bereits ab 900 vor Christus errichtet. Die großen Kulturleistungen nahmen bereits ab 200 nach Christus ihren Anfang.

Teotihuacán-Kultur: Die ehemalige Stadt Teotihuacán befindet sich bei Mexiko-Stadt. Sie galt mit 150 000 Einwohnern als größte Stadt des amerikanischen Kontinents vor der Entdeckung der Europäer. Weder die Sprache, noch warum die Bewohner ihre Stadt nach Jahrhunderten glänzenden Wachstums um 650 nach Christus plötzlich verlassen haben, ist bisher ungeklärt.

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