Pandemie-Maßnahmen

Video: Tausende Teilnehmer bei Corona-Demo in Magdeburg - Uneinigkeit in der Politik 

Tausende Menschen haben am Montagabend erneut gegen die Pandemie-Maßnahmen von Bund und Ländern protestiert. Die Politik in Sachsen-Anhalt ist unterdessen uneinig über den richtigen Umgang mit den oft unangemeldeten Protesten.

Von Alexander Walter und Matthias Fricke und unseren Lokalredaktionen 10.01.2022, 20:18 • Aktualisiert: 11.01.2022, 14:27
Demonstranten am Montagabend in der Altstadt von Magdeburg.
Demonstranten am Montagabend in der Altstadt von Magdeburg. Foto: Matthias Fricke

Magdeburg - Tausende Menschen haben am Montagabend in Sachsen-Anhalt erneut gegen die Corona-Politik von Bund und Ländern protestiert. Laut dem Messenger-Dienst „Telegram“ waren – wie am vergangenen Montag – Veranstaltungen in mehr als 45 Orten angesetzt. 

Weniger Demonstranten als vergangenen Montag, nach Polizeiangaben aber immer noch rund 1800 Personen, kommen dabei in Magdeburg zusammen.

Die Menge versammelt sich diesmal auf dem Breiten Weg zwischen ehemaliger Hauptpost und dem Hundertwasserhaus. Ein Großaufgebot der Polizei, darunter auch Beamte aus Berlin und Bundespolizei, überwachen die Versammlung. Erneut ist die Demo unangemeldet. Die Polizei verkündet per Lautsprecher ein Spazierverbot, mahnt, die Corona-Regeln einzuhalten. Ein Hubschrauber kreist dicht über den Gebäuden. Die Masse der Teilnehmer hält sich erneut nicht an die Auflagen. Kurz nach 18 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Es folgt ein Katz- und Mausspiel zwischen Demonstranten und Einsatzkräften. Immer wieder biegt der Protestzug in Nebenstraßen ab, die Polizei muss sich ständig neu postieren.

Neben bekannten Losungen wie „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“, fallen diesmal auch Sätze wie „Wir sind hier nicht in Kasachstan“. In dem von einem autoritären Regime regierten asiatischen Land hatte es vergangene Woche schwere Unruhen gegeben.

Polizei nimmt am Ende der Demo zahlreiche Personalien auf

Das Publikum ist auch diesmal breit gefächert. Familien, Rentner, laufen ebenso mit wie einige Gewaltbereite. Übergriffe gibt es nach ersten Beobachtungen nicht. Die Stimmung ist aber auch diesmal wiederholt aggressiv, vor allem dann, wenn die Polizei die Laufstrecke des Zuges sperrt. Nach Augenzeugenberichten kommt es vereinzelt zu Ingewahrsamnahmen. Gegen 20 Uhr löst sich die Demo dort auf, wo sie begonnen hat. Beamte nehmen nahe dem Domplatz am Ende Personalien zahlreicher Teilnehmer auf.

SPD-Innenpolitiker fordert stärkere Präsenz der Polizei

In der Politik herrscht derweil Uneinigkeit über den richtigen Umgang mit den Protesten: SPD-Innenpolitiker Rüdiger Erben sagte: „Dass wir ausgerechnet in Magdeburg einen solchen Sammelpunkt haben, hängt auch damit zusammen, dass man den Eindruck bekommt, dass man in Sachsen-Anhalt mehr darf als andernorts.“ Wenn ein Demonstrant etwa mit einer Bierflasche nach einem Polizisten werfe, müsse er herausgegriffen werden. Notwendig seien zudem beschleunigte Gerichtsverfahren für solche Straftaten nach dem Vorbild Bayerns. „Man plant in Magdeburg zudem immer noch mit einem zu geringen Kräfteeinsatz“, ergänzte Erben.

Oberbürgermeister: Einkesseln führt nur zu Gewalt und Ausschreitungen

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagte dem MDR indes: „Der einzig richtige Weg ist aus meiner Sicht, dass man die Demonstrationen vernünftig laufen lässt.“ Es gelte eine Zeit und Strecke vorzugeben. Einkesseln werde dagegen nicht funktionieren: „Das wird zu Gewalt und zu Ausschreitungen führen.“

"Der einzig richtige Weg ist aus meiner Sicht, dass man die Demonstrationen vernünftig laufen lässt."

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD)

Am Donnerstag befasst sich auf Antrag der Grünen der Innenausschuss im Landtag mit den Corona-Demonstrationen. Die Landesregierung soll dabei auch über Erkenntnisse zur Beteiligung verfassungsfeindlicher Gruppen sowie über die bisherigen Polizeieinsätze berichten.

Proteste gab es etwa auch in Halberstadt (mit zunächst geschätzt rund 1500 Personen), Haldensleben (500), Wernigerode (250), Salzwedel und Genthin (jeweils rund 200). Weitere Demos wurden aus Gardelegen, Calbe/Saale, Klötze, oder Gommern gemeldet. Die Proteste dort blieben nach ersten Meldungen friedlich.