Unglück

Vier Tote nach Flugzeug-Absturz bei Feriencamp von Segelfliegern

Es sollte ein unbeschwertes Feriencamp befreundeter Segelflugvereine in Anhalt-Bitterfeld werden. Doch es endete im Drama: Vier Tote beim Absturz eines Kleinflugzeugs.

Kriminalisten der Polizeiinspektion Dessau und Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung suchen gemeinsam nach der Ursache des Absturzes. Die einmotorige Maschine polnischer Bauart  brannte auf dem Flugfeld völlig aus.
Kriminalisten der Polizeiinspektion Dessau und Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung suchen gemeinsam nach der Ursache des Absturzes. Die einmotorige Maschine polnischer Bauart brannte auf dem Flugfeld völlig aus. Foto: dpa

Renneritz - Von Matthias Fricke

Die Polizei hat am Montag (19.Juli) fast den gesamten Tag lang den kleinen Flugplatz des Segelvereins in Renneritz weiträumig abgesperrt.

Ermittler der Polizeiinspektion Dessau und Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung versuchten dort die Ursache der Katastrophe von Sonntag zu ergründen. Der Absturz hat eine 14- und eine 16-Jährige, einen 15-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen sowie den 55-jährigen Piloten aus Sachsen das Leben gekostet.

„Der ganze Flugplatz ist voller Trauer“, sagte Johannes Braun von der Polizeiinspektion Dessau vor Ort. Es könne dauern bis die Ursache des Unglücks fest steht.

Der heimische Verein wollte gemeinsam mit zwei weiteren Vereinen aus dem westlichen und südlichen Münsterland ein zweiwöchiges Feriencamp veranstalten. Etwa 50 Jugendliche wurden dazu erwartet.

16-Jährige aus der Maschine geschleudert

Schockiert zeigte sich auch Sven Winterling. Er ist Stadtwehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Sandersdorf-Brehna und war am Unglückstag gegen 16.45 Uhr als Einsatzleiter als einer der ersten an der Absturzstelle der einmotorigen Maschine vom Typ PZL 104 Wilga am Unglücksort eingetroffen. Den rund 55 Feuerwehrleuten bot sich am Rande des aus Rasen bestehenden kleinen Rollfeldes ein grausames Bild: Die Maschine mit vier Sitzplätzen stand vollständig in Flammen.

Eine der Insassen war offenbar aus der Maschine herausgeschleudert worden und überlebte zunächst schwer verletzt.

Dieses Opfer fanden die Rettungskräfte neben dem Flugzeug. Die anderen drei Insassen waren noch im brennenden Wrack.

Sofort wurden zwei Rettungshubschrauber zur Unglücksstelle angefordert. Einer flog später das überlebende 16-jährige Mädchen in das Klinikum Bergmannstrost nach Halle. Für den Piloten aus Sachsen und die anderen beiden Insassen kam jede Hilfe zu spät.

Viele Eltern, die ihre Kinder beim Sommercamp gerade erst abgeliefert hatten, waren schon auf der Rückfahrt und drehten wieder um. Sie nahmen ihre Kinder mit nach Hause. Die anderen Teilnehmer und Angehörigen wurden vom Kriseninterventionsteam betreut. Dieses stand auch den Rettungskräften angesichts der schrecklichen Bilder zur Verfügung. Einsatzleiter Winterling: „In der nächsten Zeit werden wir auch weiter Betreuungsangebote bereithalten.“

Am Montag herrschte dann auch Gewissheit zum Schicksal der 16-Jährigen. Sie erlag den schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Zwischenbericht erstab Ende September erwartet

Die Geschehnisse seien nicht einfach zu verarbeiten, das werde lange Zeit brauchen und immer in Erinnerung bleiben, sagte später ein Sprecher des Segelflugvereins der Presseagentur dpa. „Vier Tote, junge Menschen, das ist alles unfassbar“, erklärte er. Das tiefe Mitgefühl gelte vor allem den Angehörigen. Die Trauer sei kaum in Worte zu fassen. Der Sprecher habe den Piloten gekannt und sagt: „Er war ein lieber Kerl.“

Die Suche nach der Ursache könnte laut Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung noch dauern. Ein Sprecher erwartet einen Zwischenbericht voraussichtlich Ende September. Mit einem Abschlussbericht werde in zwölf Monaten gerechnet.

Ebenfalls am Wochenende war kurz nach dem Start im baden-württembergischen Landkreis Böblingen ein Kleinflugzeug abgestürzt. Eine 65-Jährige sowie ihr 73-jähriger Ehemann und der 62-jährige Pilot starben dabei. Einer ersten Meldung der Deutschen Flugsicherung (DFS) zufolge war die einmotorige Maschine auf dem Weg nach Magdeburg. Kurz nach dem Start habe sich der Pilot noch einmal im Kontrollzentrum gemeldet, dann verschwand die Maschine vom Radar.

Polizisten sperrten auch noch am Montag  die Zufahrt zum Vereinsgelände und dem kleinen Flugplatz ab.
Polizisten sperrten auch noch am Montag die Zufahrt zum Vereinsgelände und dem kleinen Flugplatz ab.
Foto: Matthias Fricke