Halle (dpa) l Nicht zuletzt beim Start ins Schulleben bringen Kinder unterschiedliche Voraussetzungen mit: Um die Kleinen individueller zu fördern, will Bildungsminister Marco Tullner (CDU) künftig an jeder Grundschule im Land mindestens einen pädagogischen Mitarbeiter beschäftigen. Je nach Größe der Einrichtung solle die Zahl der pädagogischen Mitarbeiter nach halben Stellen aufsteigend gestaffelt werden, teilte ein Sprecher des Bildungsministeriums mit. Dafür soll in den kommenden Jahren die Verabredung der schwarz-rot-grünen Koalition umgesetzt werden und die Zahl der Stellen von derzeit rund 1520 auf 1800 in einigen Jahren steigen.

Pädagogische Mitarbeiter dienen als Unterstützung der Lehrer im Klassenzimmer. An Förderschulen sollen sie den Kindern und Jugendlichen individuell dabei helfen, den Schulalltag psychisch und physisch zu bewältigen. An Grundschulen sollen die Kleinen dank der zusätzlichen Erzieher individueller gefördert werden können.

Die neuen Pläne für den künftigen Einsatz der pädagogischen Mitarbeiter sind am Dienstag Thema im Kabinett. Zunächst hatte die "Mitteldeutsche Zeitung" über das Konzept berichtet. Laut Bericht sind für Grundschulen mit 400 Kindern drei pädagogische Mitarbeiter geplant. Rund 140 der aktuell 450 Grundschulen sollen demnach einen Erzieher bekommen. Diese Mindestversorgung gebe es bisher nur bei Förderschulen.

Um die Ideen umzusetzen, brauche es zusätzliches Geld für Personal, erklärte Bildungsminister Tullner. Darüber müsse in den Haushaltsberatungen für den Etat 2019 gesprochen werden. Bis dahin werde die Zahl der pädagogischen Mitarbeiter im kommenden Jahr erneut um fast 60 Kollegen sinken. Um künftige Altersabgänge auszugleichen, eine landesweite Versorgung abzusichern und den vorhergesagten steigenden Schülerzahlen gerecht zu werden, seien die etwa 300 zusätzliche Stellen nötig.

1000 zusätzliche Lehrer

In der Diskussion um Unterrichtsausfall und Lehrermangel an den Schulen hatte zuletzt eine Volksinitiative im Landtag nicht nur 1000 zusätzliche Lehrer, sondern auch 450 weitere pädagogische Mitarbeiter gefordert. Tullner nannte die Forderung "plakativ und auch ein Stück weit unrealistisch" und hatte entgegnet, das Land sei auf einem guten Weg, nur über das Tempo lasse sich streiten.

Das Bildungsministerium hatte 2016 nach eigenen Angaben zum ersten Mal seit vielen Jahren überhaupt wieder Stellen für pädagogische Mitarbeiter ausgeschrieben. Im Frühjahr lief die Suche nach mehr als 60 Kollegen für die Förderschulen. Derzeit können sich staatlich anerkannte Erzieher für 22 Stellen an Grundschulen in Magdeburg und Halle bewerben.

Tullner ist nicht der einzige, der am Dienstag ein Konzept vorlegt. Sein Kabinetts- und Parteikollege, Finanzminister André Schröder, will am Dienstagnachmittag den Kompromiss im monatelangen Ringen um das fünf Millionen Euro schwere Beförderungsbudget des Landes vorstellen. Das schwarz-rot-grüne Kabinett habe sich auf eine Verteilung der Mittel geeinigt, kündigte ein Ministeriumssprecher an.

Schröder hatte bereits im Sommer vorgeschlagen, dass das Innenministerium fast die Hälfte des Budgets bekommen soll. Auch das Justizressort sollte einen höheren Anteil bekommen. So soll der in den vergangenen Jahren aufgewachsene Beförderungsstau in Polizei und Justiz zumindest teilweise abgebaut werden. Einige andere Ministerien sperrten sich aber zunächst gegen den Vorschlag. Die jetzige Lösung soll ermöglichen, dass die Ministerien noch im Dezember ihr Personal befördern können.