GEW-Umfrage ergibt: Jeder fünfte Pädagoge leistet mehr als 50 Stunden pro Woche

Lehrer sehen Arbeitsbelastung "am Limit"

Von Hagen Eichler

Magdeburg. Sachsen-Anhalts Lehrer müssten künftig nicht mehr, sondern eher weniger arbeiten - das folgert die Lehrergewerkschaft GEW aus einer eigenen Umfrage zur Arbeitsbelastung der Pädagogen. Diese waren aufgefordert, zwei Wochen lang zu notieren, wie viel Zeit sie für ihren Beruf aufwenden. Das Ergebnis: Im Schnitt arbeiten die Befragten 45 Stunden wöchentlich, Grundschullehrer 47 Stunden.

Die Gewerkschaft reagiert mit diesen Zahlen auf die Forderung von Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) nach einer Verlängerung der Arbeitszeit um eine Unterrichtsstunde. "Die Arbeitszeit ist aber schon jetzt höher als bei anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst", sagt Sachsen-Anhalts GEW-Vorsitzender Thomas Lippmann. Jeder fünfte Lehrer leiste sogar mehr als jene 50 Stunden in der Woche, die das Arbeitszeitgesetz als Obergrenze festlegt.

Wie lange Lehrer arbeiten, ist umstritten, weil sich die Zeit nicht mit der Stechuhr messen lässt. Nachweisbar ist lediglich der Unterricht: 25 Stunden haben Lehrer im Klassenzimmer abzuleisten, Grundschullehrer 27 Stunden. Nach den Ergebnissen der GEW-Umfrage dauert die Vor- und Nachbereitung allerdings mindestens genauso lange. Hinzu kommen Tätigkeiten wie Aufsichten, Konferenzen, Klassenfahrten, Elterngespräche oder Fortbildungen.

Dass Lehrer mehr Ferientage haben als ihnen Urlaub zusteht, hat die GEW bereits eingerechnet. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 44 Stunden arbeite ein Lehrer übers Jahr gerechnet so lange wie die anderen Landesbeschäftigten mit 40-Stunden-Woche, sagte Lippmann.

Wissenschaftlichen Ansprüchen genügt die GEW-Umfrage nicht. So ist denkbar, dass vor allem solche Lehrer ihre Arbeitszeiten notiert haben, die tatsächlich lange arbeiten und darüber frustriert sind.

Die Landesregierung, fordert der Gewerkschaftschef, müsse endlich wahrnehmen, welche Tätigkeiten alles zum Lehrerberuf gehören - die einwöchige Klassenfahrt ebenso wie der Kontakt zu den Eltern. In Spitzenzeiten, wenn viele Klausuren benotet oder Zeugnisse geschrieben werden müssen, sei die Belastung für viele bereits jetzt zu groß. "Wir wollen nicht jammern, aber die Politik muss zur Kenntnis nehmen, dass wir am Limit sind", sagte Lippmann.

Seit fast einem Jahr liegt die Forderung des Finanzministers nach Verlängerung der Lehrer-Arbeitszeit auf dem Tisch. Die zusätzlichen Stunden sollen 500 Lehrerstellen entsprechen. Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) hat sich zur Idee bislang nicht positioniert. Es gebe "keinen neuen Sachstand", heißt es aus Dorgerlohs Haus. Wichtigstes Ziel sei die Absicherung der Unterrichtsversorgung.