Magdeburg l Stellen Sie sich vor, Sie gehen vor die Tür und hören nichts. Kein Vogelgezwitscher, nicht die Straßenbahn, die vor Ihnen vorbeifährt, und auch nicht den Nachbarn, der Sie nett grüßt. Die Welt ist stumm. Für normal hörende Menschen ist das nicht vorstellbar.

Cochlea-Implantate

Bei leicht- oder mittelgradig Schwerhörigen kann ein Hörgerät helfen. Viele Menschen sind allerdings so stark schwerhörig oder taub, dass ein Hörgerät wirkungslos wäre. In solchen Fällen wird oft ein sogenanntes Cochlea-Implantat (CI) eingesetzt. Ein Gerät, welches mit direktem Kontakt an den Hörnervenfasern eingesetzt wird und Schallwellen in elektrische Impulse umwandelt. Diese werden dann wie bei normal Hörenden an das Hörsystem weitergegeben.

Uwe Bublitz ist Rentner und hat vor zehn Jahren sein Implantat eingesetzt bekommen. Auf dem einen Ohr ist er taub, auf dem anderen hat er noch 20 Prozent Hörleistung. Seit acht Jahren leitet er die CI-Selbsthilfegruppe Magdeburg, die sich einmal im Monat im Alten- und Service-Zentrum (ASZ) Olvenstedt.

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Hören mit CI

„Das Hören mit einem CI muss erst gelernt werden. Auf einmal hört man jedes kleine Geräusch. Töne aus verschiedenen Richtungen sind für uns schrecklich, und auch Räume mit Betonwänden oder hohen Decken haben einen starken Hall. Das merken normal Hörende gar nicht“, erklärt Bublitz. Für viele Menschen ist das zu anstrengend. Die Folgen: Sie ziehen sich zurück, isolieren sich und vereinsamen.

Dasselbe gilt auch für alte Menschen mit Hörgeräten. Gegen diese Vereinsamung möchte das ASZ Olvenstedt etwas tun. „Die Gefahr ist groß, dass sich die Leute zurückziehen. Hier wird den Menschen zugehört und über Probleme gesprochen“, erzählt Leiterin Kathrin Gandre. Sie ist Sozialarbeiterin im ASZ, seit die Einrichtungen vor 20 Jahren in Magdeburg gegründet wurde. In diesem Jahr bezog das ASZ Olvenstedt seine neuen Räume am Bruno-Beye-Ring. Von Sportkursen und Kreativ-Treffs über Computer- und Sprachkurse bis hin zum gemeinsamen Kochen und Essen gibt es ein großes Angebot an Aktivitäten.

Akustik ist großes Problem

Auch Infoveranstaltungen, Gedichtvorträge oder Workshops finden regelmäßig in den Räumen des ASZ statt. Aktuell gibt es aber noch ein großes Problem: die Akustik. Viele der Besucher tragen Hörgeräte oder Cochlea-Implantate. In den neuen Räumen hat sich durch schallisolierte Decken und Raumtrenner schon einiges verbessert, trotzdem sind die Gegebenheiten noch nicht optimal.

„Wir brauchen eine gute Klangqualität, bei uns geht es nicht um die Lautstärke“, erklärt Uwe Bublitz. Denn für Menschen mit Implantat sind Nebengeräusche und Hall oft anstrengend und zehren an den Nerven. Außerdem müssen Bild und Ton aus derselben Richtung kommen. Die älteren Gäste brauchen einen deutlichen Ton, um auch von Plätzen am anderen Ende des Raumes alles zu verstehen. Das ASZ möchte mit Hilfe der Spenden eine neue Lautsprecher- und Mikrofonanlage anschaffen, um so auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen einzugehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, an den Kursen und Aktivitäten teilzunehmen. „Wir möchten alles möglich machen, damit die Menschen teilhaben können und nicht ausgegrenzt werden“, sagt Kathrin Gandre.

Die Spenden-Aktion „Volksstimme-Leser helfen“ steht 2018 unter dem Motto „Besser leben im Alter“. Mehr zur Aktion gibt es in einem Dossier.