Halle l Ein scheinbar normaler Abend auf der Autobahn 14 zwischen Magdeburg und Halle. Drei junge Männer sitzen im Auto, ihre Gefühle bewegen sich irgendwo zwischen Euphorie und Erschöpfung. Gerade noch rechtzeitig finden sie eine Raststätte. Denn zwei von ihnen sind total hungrig und einer schläft vor Müdigkeit immer wieder ein. Diese Grundbedürfnisse mögen banal erscheinen. Denn Fabian Witter (24), Thomas Steinert (27) und Martin Laun (24) haben eigentlich gerade allen Grund zur Freude. Die drei Musiker wurden vor wenigen Stunden bei dem Bundesfinale von „Local Heroes“ von der Jury zur „Besten Newcomerband des Jahres“ gekürt. Dafür mussten sie sich gegen zwölf weitere Bands aus zwölf Bundesländern durchsetzen. Und das bei einem Band-Contest, bei dem schon die damalige Schülerband „Devilish” – heute bekannt als Tokio Hotel – entdeckt wurde.

Für „Elephant’s Foot“ war das der dritte Sieg in einem Jahr. Im Mai hatte die Band beim „SWM Talentverstärker“ gewonnen und beim „Local Heroes“-Landesfinale im September in Magdeburg sechs Konkurrenten ausgeschaltet. Wobei das Trio andere Bands eigentlich gar nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als Mitstreiter sieht. „Die eigene Musik mit der von anderen zu vergleichen, macht überhaupt keinen Sinn“, sagt Martin.

Hardrock, Blues, Soul, Funk

Während die drei Helden in einem Hallenser Café sitzen und ihr Bier beziehungsweise Martin seinen Ingwertee trinken, wirken sie wie die netten Jungs von nebenan: bodenständig, sympathisch und bescheiden. „Wir sind selbst von unserem Erfolg überrascht. Vor allem, weil unsere Songs so lang und unkonventionell sind”, sagt Thomas, der in der Band Gitarre spielt und singt. Unkonventionell und gegen den Mainstream soll ihre Musik, die man irgendwo zwischen Hardrock und Blues, zwischen Funk und Soul beschreiben könnte, sein. Das gelingt dem Trio. Mal machen sie ihrem Bandnamen alle Ehre – wenn die Beats so schwer werden, dass sie dem Stampfen eines Elefantenfußes gleichen – und dann ist die Musik plötzlich wieder so leichtfüßig, dass sie an das zarte Trippeln einer Maus erinnert. Die Songs klingen ausgereift - verblüffend für eine Band, die es erst seit gut einem Jahr gibt.

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„Erst waren wir nur zu zweit“, erzählt der in Halle wohnende Martin mit Blick auf Thomas, der in Dresden geboren ist und in Leipzig wohnt. Der Gitarrist und der Bassist kannten sich schon seit einiger Zeit über Freunde, spielten nebenbei noch in anderen Bands. Über einen Aufruf auf Facebook lernten sie den Drummer Fabian aus Barleben kennen. „Als Fabian uns geschrieben hat, haben wir erstmal sein Facebook-Profil gecheckt. Als wir dort als Hintergrundbild ein Foto von Led Zeppelin sahen, wussten wir: Das ist unser Typ – ohne ihn jemals gehört zu haben”, sagt Thomas lachend.

Während andere Kinder mit Lego oder Playmobil spielten, übte Fabian bereits seit seinem vierten Lebensjahr Schlagzeug. Für sein Können auf dem Instrument wurde er beim Bundeswettbewerb zusätzlich als bester Instrumentalist ausgezeichnet. „Mütterlicherseits komme ich aus einer sehr musikalischen Familie”, sagt er. Auch sein Opa habe schon das Schlagzeug gespielt. „Als ich das als Kind dann auch wollte, hat mein Vater mir zunächst aus Salatschüsseln ein Set gebaut”, erzählt er lachend. Doch er hatte nicht nur den Rhythmus quasi durch den Opa im Blut, auch übte er in seiner Kindheit und Jugend bis zu acht Stunden täglich. 2007 spielte er dann in seiner ersten Band – einer Punkband.

Seine musikalische Richtung legt er jedoch genauso wenig fest, wie die anderen Bandmitglieder. „Irgendwie bringen wir alle verschiedene Stile mit”, sagt Thomas. Während Fabian eher funkig-groovige Klänge mit einbringe, ist Thomas beispielsweise im Blues- und Jazzbereich besonders bewandert. „Meist bringt Thomas die Ideen, darüber jammen (in freier Interpretation spielen, d. Red.) wir dann“, erklärt Martin, der mit fünf Jahren zunächst Geige, dann Bratsche und zuletzt Bass gelernt hat. Die Band kriegt der 24-Jährige mit seinem Studium der Agrarwissenschaften unter einen Hut.

Nach dem Erfolg kommt die Organisation

Thomas hat auf dem Akkordeon angefangen. „Dann habe ich eine Zeit lang ‚Lagerfeuergitarre‘ gespielt“, erzählt er. In Leipzig hat er dann an der Hochschule für Musik und Theater Jazz- und Popularmusik studiert – beziehungsweise damit angefangen. Denn, so sagt er: „Das war mir alles viel zu akademisch. Außerdem hat sich bei mir ein großer Druck aufgebaut, ich konnte mich nicht mehr künstlerisch entfalten.” Er brach ab und absolvierte stattdessen eine Ausbildung zum Logopäden. Doch die Leidenschaft für die Musik verlor er nie, beziehungsweise gewann sie schnell wieder. Nachdem er ein Jahr als Logopäde gearbeitet hatte, konzentriert er sich jetzt voll und ganz auf die Bühnenkarriere. Und wie das Ergebnis von „Local Heroes“ zeigt, klappt das auch ohne Musikdiplom prima.

Doch derzeit merken die Jungs von „Elephant’s Foot“ noch etwas ganz anderes, was sie für eine erfolgreiche Karriere auf der Bühne unbedingt brauchen. „Hinter all dem steckt ein wahnsinniger Organisationsaufwand“, sagt Martin. Damit meint er nicht nur die Proben, die einmal pro Woche - meist in Leipzig - stattfinden.„Fabian und ich haben neben der Band ja zur Zeit noch Jobs und Studium, einen Termin zu finden, ist da nicht immer einfach“, erklärt er. Hinzu kommen Auftritte, Kommunikation mit anderen Bands beziehungsweise Veranstaltern und eine Website muss idealerweise auch so schnell wie möglich her. „Der Erfolg hat uns irgendwie eingeholt, jetzt müssen wir in anderen Bereichen Gas geben“, so Martin.

Doch der Gewinn beim Bundeswettbewerb hat für die Band zumindest einiges leichter gemacht. Denn zu dem Preis gehören unter anderem fünf Aufnahmetage in einem Studio, der Förderpreis des Ministeriums für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt für eine Promotionleistung und die Vorstellung der Band in der Sendung „Soundscout“ von Deutschlandfunk Kultur.

Und vielleicht bringt es den Jungs von „Elephant’s Foot“ zusätzlich Glück, dass vor genau 20 Jahren eine besondere Band das Bundesfinale gewonnen hat: Eine gewisse Band namens Alice’s Gun. Später gründeten die Mitglieder eine zweite Band, eine Indie-Rock-Combo. Die hat in den vergangenen zehn Jahren fünf Top-Ten-Alben hervorgebracht. Ihr heutiger Name: Madsen. Klingt also nach einer vielversprechenden Zukunft, die Fabian, Thomas und Martin erwarten könnte.

Doch neben dem erhofften ganz großen Durchbruch hat die Band noch einen weiteren großen Wunsch offen: Deutlich mehr Raststätten auf der A 14, damit sie nach den Auftritten ihren Bären–, pardon, Elefantenhunger stillen können.