Halle (dpa) l Nach eindringlichen Warnungen der Krankenhäuser in Halle hat sich der Oberbürgermeister der Stadt, Bernd Wiegand (parteilos), für einen harten Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgesprochen. "Bei einem weiteren Anstieg der Covid-19-Fallzahlen droht kurzfristig die Überlastung der Versorgungsstrukturen", zitierte Wiegand am Samstag (12. Dezember) aus einer aktuellen Stellungnahme der Krankenhäuser in der Stadt. "Dieser weitere Anstieg ist hochwahrscheinlich, wenn nicht sofort weitere drastische Kontakteinschränkungen erfolgen."

Nach einer Besprechung am Samstagvormittag hätten die ärztlichen Direktoren und die Leitungen der Krankenhäuser eine "negative Zukunftsprognose" abgegeben, das sei für die Einschätzung des Pandemie-Stabes der Stadt wesentlich. Die Krankenhäuser forderten demnach "die sofortige Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie". Solche Maßnahmen wären laut den Kliniken und der Stadt ein von der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) vorgeschlagener harter Lockdown.

Kritische Situation in Sachsen

Ab Dienstag soll demnach die Schulpflicht aufgehoben und nachdrücklich zur Arbeit im Homeoffice aufgefordert werden. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte am Samstag, Bund und Länder erwägen derzeit einen harten Lockdown ab Mitte kommender Woche. Am Sonntag sollten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen auf das weitere Vorgehen verständigen.

Die steigenden Infektionszahlen und die noch kritischere Situation im Nachbarbundesland Sachsen könnten die Kliniken in Halle zusätzlich belasten, warnte Wiegand. "Die halleschen Krankenhäuser rechnen mit weiteren Patientenaufnahmen in den nächsten Tagen, auch aus West-Sachsen", sagte Wiegand. Die Kapazitäten der dortigen Krankenhäuser seien erschöpft. In Halle lagen am Samstag unverändert 21 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation.