Magdeburg l Seit Monaten steht vor allem Geschäftsführerin Sieb unter Dauerfeuer: Aufträge an den Lebenspartner, Verquickungen mit Lottogeld-Empfängern, Klüngelwirtschaft. Den größten Stein bringt ein Volksstimme-Bericht Ende Juni ins Rollen: Er zeigt, wie eine Gruppe von Großspielern bei der Sportwette organisiert und zum Schaden anderer Spieler Millionen abräumt - lange Zeit ungestört von den Geschäftsführern Sieb und von Einem. Weder wird die Spielaufsicht im Innenministerium zügig informiert, noch werden die Spieler gestoppt. Bis heute haben von den neun Zockern immer noch zwei eine Spielberechtigung.

Gestern nun tagten Aufsichtsrat und Gesellschafter. Ihnen lagen Berichte von Rechnungshof, Wirtschaftsprüfer KPMG und Spielaufsicht vor. Aufsichtsratschef Thomas Webel sprach von einer „Summe von Vorwürfen“ und benennt die Konsequenz: „Wir haben empfohlen, beide Geschäftsführer mit sofortiger Wirkung abzuberufen.“ Umsetzen muss das der Gesellschafter: das Finanzministerium. Finanz-Staatssekretär Rüdiger Malter überbrachte den beiden Lotto-Noch-Chefs die Nachricht. Von Einvernehmlichkeit mochte Malter nicht reden, das wäre ein „zu tapferes Wort“. „Nein, es war schon große Betroffenheit zu spüren“.

Doch ins Bodenlose werden die Abberufenen nicht fallen. Beide haben einen Vertrag bis 2022. Nun will das Finanzministerium Abfindungen anbieten. Zur Höhe wollten Webel und Malter noch keine Angaben machen. Fachleute sagten der Volksstimme, dass es zumeist auf ein Jahresgehalt hinausläuft.

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Das wären bei Sieb etwa 170.000 Euro und bei von Einem knapp 140.000 Euro. Zahlen müsste das Lotto aus seinem Topf (Jahresumsatz: 20 Millionen Euro). Die Verhandlungen sollen so schnell als möglich abgeschlossen sein, sagte Malter. Bis dahin bekommen die beiden Ex-Chefs ihr volles Gehalt weiter.

Für eine fristlose Kündigung hat es nach Überzeugung von Webel und Malter nicht gereicht. „Dieser Grad der vertrauenzerstörenden Handlung liegt nicht vor“, sagte Malter. Zudem wollte man sich möglichst zähe und teure Gerichtsprozesse ersparen. Mit schnellen Rauswürfen hat das Land keine guten Erfahrungen gemacht: Der Prozess um den geschassten Fonds-Manager Johannes von der Osten läuft immer noch; in der ersten Instanz hatte er sogar obsiegt.

Künftig könnte es an der Lotto-Spitze wieder etwas preiswerter werden: Denn künftig soll es nur einen Geschäftsführer geben. Mit der Chefsuche wird ein Personaldienstleister beauftragt. Der wiederum jedoch könnte - wie beim letzten Mal auch - 80.000 bis 100.000 Euro kosten. Bis es soweit ist, wird der Finanz-Ministerialbeamte Marko Ehlebe die Geschäfte führen.

Davon unberührt will der Lotto-Untersuchungsausschuss im Landtag noch einige Zeugen befragen, um Geldflüsse offenzulegen. Ausschuss-Chef Andreas Steppuhn zeigte sich nach der Personalie gestern aber erleichtert: „Damit wird weiterer Schaden abgewendet und Lotto kommt wieder in ruhigeres Fahrwasser.“