Magdeburg l Die Zahl arbeitender Senioren im Land hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt. Gingen damals noch 11.600 Ältere ab 65 Jahre einem Job nach, waren es 2017 schon 27.100 – das ist etwa jeder 20. Die Mehrheit dieser Senioren (80 Prozent) ist laut Agentur für Arbeit geringfügig beschäftigt. Immer mehr arbeiten aber auch in regulären (sozialversicherungspflichtigen) Jobs - hier gab es eine Zunahme um das Sechsfache.

Ein Grund für die Entwicklung ist laut Kay Senius, Arbeitsagenturchef für Sachsen-Anhalt und Thüringen, die alternde Gesellschaft bei gleichzeitig steigendem Fachkräftebedarf. Einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge versucht inzwischen jeder dritte befragte Betrieb ältere Arbeitnehmer zu halten. Besonders häufig sind Senioren in KfZ-Handel und -Werkstätten, Gesundheitswesen sowie in Verkehr und Industrie tätig. Männer arbeiten wesentlich häufiger im Alter als Frauen.

Fachkompetenz und Erfahrung

„Die Betriebe sind auf die Älteren angewiesen“, sagt Romy Meseberg, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Magdeburg zu den Zahlen. Insbesondere ihre Fachkompetenz und Erfahrung würden geschätzt. Für die Zukunft rechnen sowohl Handwerkskammer als auch Industrie- und Handelskammer mit einer Fortsetzung des Trends – weil Nachwuchs fehlt. Im Lebensmittelhandwerk etwa ist schon heute fast die Hälfte aller Mitarbeiter älter als 50.

Die Älteren selbst entscheiden sich aus verschiedensten Gründen, den Ruhestand zu verschieben. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) werden „Spaß an der Arbeit“ und „weiter Geld verdienen“ am häufigsten genannt. Nach Einschätzung von Kay Senius könnte Altersarmut als Motiv künftig vor allem in Ostdeutschland an Bedeutung gewinnen. Mehr Ältere könnten arbeiten gehen müssen, um ihre Renten aufzubessern, sagte er. Besonders gefährdet: Erwerbstätige, die nach der Wende länger arbeitslos waren oder in Niedriglohnjobs arbeiten mussten. Für viele von ihnen steht demnächst der Renteneintritt an.

Der Kommentar zum Thema von Alexander Walter.