Magdeburg l Zwei Jahre, nachdem das Cannabis-Gesetz in Kraft getreten ist, ist in Sachsen-Anhalt ein deutlicher Anstieg der Anträge auf Cannabis-Arzneimittel zu verzeichnen. Das teilte die Barmer der Volksstimme auf Anfrage mit.

Waren es 2017 100 Anträge bei der Barmer, von denen 66 bewilligt wurden, stieg die Zahl 2018 auf 255, von denen 188 bewilligt wurden.

Bundesweit waren es 2018 8539 Anträge, von denen gut 68 Prozent (5834) positiv beschieden wurden.

Grund: Konkretere Anträge

Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer, sieht einen Grund dafür, dass 2018 rund acht Prozent der Anträge mehr bewilligt wurden in der Tatsache, „dass inzwischen die Anträge auf Cannabis-Therapie konkreter und umfassender gestellt“ wurden.

Medizinisches Cannabis sei heute aus der Schmerztherapie schwer kranker Menschen nicht mehr wegzudenken, so Wiedemann. Er warnt allerdings: „Cannabis ist kein Allheilmittel. Es bleibt immer eine indviduelle Entscheidung des behandelnden Arztes, der für jeden Patienten den Nutzen und die Risiken abwägen muss.“

Ärzte kritisieren in Bezug auf Cannabis-Produkte oft fehlende Nachweise zur Qualität, Sicherheit, Wirksamkeit und Anwendung insbesondere bei den Blüten. Cannabis-Blüten seien Naturprodukte, die speziell zubereitet werden müssen und deren Wirkstoffgehalt (THC) anders als bei fertigen Präparaten von Blüte zu Blüte unterschiedlich ausfalle.

Dass im vergangenen Jahr von der Barmer mehr als zwei Drittel der Cannabis-Anträge abgelehnt wurden, liege unter anderem daran, dass Cannabis-haltige Medikamente bei bestimmten Erkrankungen nicht geeignet seien, sagt Wiedemann. „Oder wirksame andere Therapien zur Verfügung stehen.“

2017 hat die Kasse bundesweit etwa 5,2 Millionen Euro für Cannabis-Therapien ausgegeben. Bis einschließliche September 2018 waren es bereits rund 8,4 Millionen Euro.