Magdeburg l Schon im November hatte die Summe im Landtag kursiert: Jetzt wird sie von der Klinik-Leitung offiziell bestätigt. „800 Millionen Euro braucht das Uni-Klinikum Magdeburg bis 2030, um seinen Campus weiterzuentwickeln", sagte Klinikchef Jan Hülsemann der Volksstimme. Die Investitionen seien notwendig, um den Standort leistungsfähig und im Wettbewerb mit anderen Uni-Kliniken konkurrenzfähig zu erhalten.

Die Zahlen sind Ergebnis einer Begehung durch die Klinikleitung. Die Mehrzahl der Häuser auf dem Campus stamme vom Anfang des 20. Jahrhunderts, sagte Hülsemann. Fast alle stünden unter Denkmalschutz. „Selbst bei einer Sanierung könnten viele Gebäude Auflagen für moderne OP-Säle und Intensivstationen nicht mehr erfüllen." Es gebe Räume, in denen schwergewichtige Patienten nicht liegen können, weil das die Tragkraft der Decken überschreite.

Brief an Haseloff

Die Klinik will viele Altbauen daher abreißen und komplett neu bauen. Dabei soll der Campus ein neues Gesicht erhalten. Einzelkliniken sollen zu Fachzentren verschmelzen. Geplant ist, etwa die bislang getrennte Kinderklinik, die Neonatologie und die Gynäkologie in einem Mutter-Kind-Zentrum zusammenzuführen. Ihre Pläne hat die Klinik in einem „Masterplan Bau 2030" zusammengefasst. Er ist laut Klinikum auch den zuständigen Ministerien bekannt.

Wie hoch der Bedarf tatsächlich sein könnte, deutete erst im August ein von 24 Klinik- und Institutsleitern unterschriebener Brief an Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) an. Darin war unter anderem von „hochbrisanten sicherheitskritischen Aspekten" in Gebäuden die Rede. 

So hätte etwa die Hautklinik, eines der ältesten Gebäude, laut einem Brandschutz-Gutachten eigentlich längst geschlossen werden müssen. Die Notwendigkeit, die Klinik zu schließen, habe sich nicht bestätigt, sagte Hülsemann. Maßnahmen wie 24-stündige Brandwachen hätten die Lage zudem entspannt. Dennoch bestehe die Erwartung, dass das Land deutlich mehr Geld in die Hand nimmt.

Das Wissenschaftsministerium räumte einen Investitionsstau in der Uni-Medizin ein. Grund sei neben bundesweiten Rahmenbedingungen die Sparpolitik der Vorgängerregierungen, sagte Sprecher Matthias Stoffregen. Die Kenia-Koalition sei sich zugleich einig, dass der Investitionsstau abgebaut werden muss.

Eine Maßnahme: Zuweisungen für Investitionen und Großgeräte sollen ab 2020 von gut 6 auf 10 Millionen Euro pro Jahr und Standort steigen. Mittels Gelder auch aus anderen Töpfen (z. B. EU-Förderung, Hochschulpakt) seien für die beiden Uni-Kliniken Magdeburg und Halle in den nächsten Jahren zudem knapp 260 Millionen Euro für Großinvestitionen geplant – 144 Millionen Euro für Magdeburg, 114 Millionen für Halle.

Größter Posten in Magdeburg ist der Neubau eines 123 Millionen Euro teuren Herzzentrums, größtes Projekt in Halle ein neues Bettenhaus. Forderungen wie aus der Landeshauptstadt kommen aus dem Süden derweil nicht: „Wenn das Land mehr in die Uni-Medizin investieren möchte, hätten auch wir aber Ideen", sagte Halles Ärztlicher Direktor Thomas Moesta. Langfristig wollen die Hallenser auch ihren Campus neu organisieren. Die bislang in der Innenstadt angesiedelten Forschungsinstitute sollen auf den Hauptcampus im Norden der Stadt ziehen.

Bezogen auf seine Einwohnerzahl leistet sich Sachsen-Anhalt eine großzügige Versorgung mit Unikliniken: Auf gut 2,2 Millionen Einwohner kommen zwei Standorte, in fast allen anderen Ländern ist die Versorgungsdichte geringer. Vor fünf Jahren hatte das damals von Jens Bullerjahn (SPD) geführte Finanzministerium die Schließung der Uni-Klinik Halle erwogen, um Kosten zu sparen. Nach Protesten entschied die damalige Koalition gegen die Pläne.