Mehr als 1200 Verletzte nach Absturz in Russland Astronomen: Immer wieder Treffer, Folgen bisher aber gering

Meteoriten-Einschlag: Das ist auch in Sachsen-Anhalt möglich

Von Matthas Fricke

Nach dem Meteoriten-Einschlag in der Region Tscheljabinsk gehen russische Behörden von mehr als 1200 Verletzten aus. Solche Treffer aus dem All sind auch in Sachsen-Anhalt möglich. Die letzten dokumentierten Fälle waren in der Altmark 1985 und 2006. Der Asteroid "2012DA14" raste gestern Abend an der Erde vorbei.

Moskau/Magdeburg l Bei dem Einschlag eines Meteoriten mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern im Ural im russischen Tscheljabinsk ist bis zum Abend die Zahl der Verletzten auf mehr als 1200 gestiegen. Augenzeugen berichteten von Explosionen und Rauchwolken am Himmel. Der Meteorit war am Morgen in der etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Region in die Atmosphäre eingetaucht und in etwa 50 Kilometern Höhe in mehrere Stücke zerbrochen. Dabei waren durch eine massive Druckwelle auch mehr als 3000 Häuser in sechs Städten beschädigt worden.

"So etwas, wie jetzt in Russland, ist mit so schweren Folgen zwar noch nicht passiert. Aber nur, weil die Brocken bisher nicht über so stark bewohntem Gebiet abgestürzt sind", sagte Daniel Arndt, Leiter der Astronomischen Gesellschaft Magdeburg. Er fuhr gestern Abend noch nach Dessau, um von dort in einer Wolkenlücke nach dem Asteroiden "2012DA14" Ausschau zu halten. Dieser passierte um 20.27 Uhr für galaktische Verhältnisse haarscharf in 28000 Kilometern Entfernung die Erde.

Bei den Folgen eines Einschlags komme es auch auf Material und Einschlagswinkel an, erklärte Arndt. "So etwas wie in Russland könnte deshalb jederzeit auch in Sachsen-Anhalt passieren", meinte er.

Ähnlich sieht es auch Heiner Klinkrad von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA (Darmstadt): "Es gab schon größere Einschläge, auch in der jüngeren Geschichte", sagte er der Volksstimme. "So etwas passiert sogar signifikant häufiger als einmal im Jahr. Nur diesmal lag der Ort über einer Millionenstadt und nicht wie oft irgendwo im Meer."

Durch solche planetarischen Reste habe die Erde jährlich einen Gewichtszuwachs von 40000 Tonnen. "Das meiste erkennt man aber nur als Staub auf der Fensterbank", sagte er. Den Meteoriten selbst hätte man vorher aber nicht entdecken können. ESA-Experte Klinkrad: "Er war dafür viel zu klein."

Der bekannteste Meteoriten-Absturz in Sachsen-Anhalt war am 14. November 1985. Mit lautem Knall und Lichtblitz schlug dieser nur wenige Kilometer südlich von Salzwedel ein. Die Explosion war sogar bis Hannover, Leipzig und im Harz zu hören. Der Einschlagswinkel war sehr schräg. Der Hobby-Astronom Patric Scharff aus Kuhfelde (Altmarkkreis Salzwedel) fand seinerzeit als 13-Jähriger den auf Walnussgröße geschrumpften Gesteinsbrocken, der heute im Naturkundemuseum Berlin liegt.

Gestern sagte der Finder der Volksstimme: "Ich habe mir die Videos von dem Einschlag in Russland im Internet angesehen. Mit dem in der Altmark ist das gar nicht zu vergleichen. Ich hatte nur ein Donnern gehört. Aber es gab keine Druckwelle. Durch Zufall haben wir den Aufschlag auf dem Boden durch das Rascheln in den Bäumen gehört und nach zwei Stunden Suche den kleinen Stein gefunden."

Wie ist Sachsen-Anhalt auf einen Meteoriten-Einschlag vorbereitet?

Innenministeriumssprecherin Anke Reppin: "Es existieren Sonderpläne für wahrscheinliche Szenarien." Ein Meteoriten-Einschlag sei bisher aber nicht bedacht worden. Dafür aber Folge-Erscheinungen wie Strom- und Heizungsausfälle. Reppin: "Auf jeder Ebene gibt es für den Katastrophenschutz auch regelmäßige Übungen." Seiten 5 und 6