Halle/Magdeburg (dpa) l Maßgeschneidertes Abendkleid und Poloshirt mit Turnschuhen: Tausende Jugendliche suchen in den kommenden Wochen nach dem passenden Outfit für Jugendweihe, Konfirmation und Co. Die Heranwachsenden holten sich dabei nicht nur Rat bei Freunden und Eltern, sondern auch bei Händlern, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Mit den Trends können zumindest die Organisatoren der Festlichkeiten meist ganz gut leben.

"Die Zeit peinlicher Konfirmationsfotos scheint lange vorbei", sagt der Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Peter Herrfurth. Getragen werde meist das, was gefalle. "Manche Eltern tun sich vielleicht schwer, wenn es die geliebten Turnschuhe sein müssen", so Herrfurth. Daher rate er den Heranwachsenden gemeinsam mit den Erwachsenden zu überlegen, was passend und finanzierbar sei. Am Ende müssten sich die Jugendlichen aber wohl fühlen. Die Kirche mache übrigens keine Vorgaben bei der Garderobenwahl zur Konfirmation.

Vorbilder für Kleidung

Viele orientierten sich bei der Frage nach der richtigen Kleidung an Vorbildern. Die Jungen würden zum Beispiel auf Fußballspieler spähen und das schicke Sakko mit Sneakers kombinieren, sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Sachsen-Anhalt, Knut Bernsen, in Magdeburg. Für die Händler im Land bedeute das Flexibilität und Einfühlungsvermögen bei der Beratung. Bei Mädchen seien lange Abendkleider vom Anbieter für Festbekleidung genauso gefragt wie schlichtere Outfits von großen Handelsketten. Einige junge Damen würden sich auch aufwendige Frisuren stecken oder professionell schminken lassen, so Bernsen.

Auch bei der Evangelischen Landeskirche Anhalts sei zu sehen, dass "die Kleiderordnung zur Konfirmation lockerer geworden" sei, so der für die jungen Erwachsenen beauftragte Pfarrer Stephan Grötzsch aus Dessau-Roßlau. "Die klassische Schwarz-Weiß-Variante ist keine Pflicht mehr", sagt Grötzsch. Jedoch rate er von Turnschuhen ab. In seiner Gemeinde seien erst zwei Jugendlichen mit den bequemen Schuhen aufgetaucht. Die Jungen würden meist einen Anzug und die Mädchen ein Kleid tragen.

Auf festlichen Charakter achten

In besonderer Erinnerung blieb dem Pfarrer ein Mädchen, das ein Kleid mit Schleppe trug. Beim Niederknien zur Segnung sei sie drauf getreten und es riss mit lautem Geräusch ab, so Grötzsch. Für Heiterkeit sorgte auch die Sockenwahl eines Jungen. Er vergaß das Preisschild an seinen Ringelsocken, wie der Pfarrer berichtet. "Wenn ich die letzten fünf Jahre betrachte, habe ich aber das Gefühl, dass eher wieder auf den festlichen Charakter der Konfirmation auch hinsichtlich der Kleidung geachtet wird." Die Landeskirche rechnet nach eigenen Angaben in diesem Jahr mit etwa 150 Konfirmanden und Konfirmandinnen. Die Zahlen seien seit Jahren relativ stabil.

Im vergangenen Jahr ließen sich etwas weniger als 300 Heranwachsende im Bistum Magdeburg firmen. Die Firmung sei ein Fest der Emanzipation, sagt Bistumssprecherin Susanne Sperling in Magdeburg. "Das zeigt sich auch in der Kleiderwahl: Anzug oder T-Shirt, Lackschuh oder Sneaker – anything goes", erklärt sie. Doch festliche Kleidung sei nach wie vor beliebt.

Das können auch die Organisatoren der Jugendweihen bestätigen: Etwa 6200 Jungen und Mädchen werden in diesem Jahr landesweit zu den Festen erwartet, wie die Sprecherin des Landesverbands der Interessenvereinigung Jugendweihe, Yvonne Müller, in Magdeburg sagt. Die Mädchen würden meist Abendkleider und die Jungs eher einen Anzug oder Chinos mit Hemd und Hosenträgern tragen. Eine feste Kleiderordnung gebe es nicht. Denn: "Die Jugendlichen müssen sich wohlfühlen."