Von Burg in die USA

Burger Küchen gehört zu den zehn größten Küchenmöbelherstellern in Deutschland. Pro Tag werden allein im Burger Werk bis zu 5000 Schränke gefertigt. In Burg arbeiten knapp 600 Menschen, in Löhne (Nordrhein-Westfalen) gut 400. 20 bis 25 Prozent der Waren gehen ins Ausland, u. a. in die USA. Die Firma wurde unter dem Namen Assmann und Sohn gegründet, zu DDR-Zeiten verstaatlicht und 1991 von der Bauformat GmbH übernommen.

Burg l Handgearbeitete Buffetküchen aus den 20er Jahren, Spülen, die in Schubladen versteckt wurden, und die Etablierung des Kühlschranks nach 1970 – all das gehört zu dem Teil der Firmengeschichte, der vor Martin Schockwitz’ Zeit liegt. Doch allein nach dem viertel Jahrhundert, in dem er jetzt dazugehört, findet er fast nichts an den heutigen Küchen aus Burg, das so geblieben ist wie an seinem ersten Arbeitstag. Produktion, Aussehen, Materialien, Technik – sogar die Funktion des Raumes, in dem sie steht, hat sich verändert.

Schockwitz kam 1990 zu den Burger Küchen, er ist dort technischer Leiter. Schon wenn er über die Herstellung damals spricht, könnte man denken, es ginge um Museumsstücke: „Auftragsfertigung gab es nicht. Zur Auswahl standen etwa zehn Fronten, jedem Schrank war eine davon fest zugeordnet.“ Heute umfasst das Angebot mehr als 100 Fronten. Zählt man all die Varianten des Schrankkörpers, die Griffe, Kanten und Co. hinzu, rechnet er vor, gibt’s bei einer Küche mindestens eine Million Kombinationsmöglichkeiten.

Stil "Eiche rustikal" war der Renner

So einige Moden hat Schockwitz schon mitgemacht. Besonders einprägsam: Stil „Eiche rustikal“. „Anfang der 90er gab’s eine riesige Nachfrage, weil das zu DDR-Zeiten so schlecht zu bekommen war.“

100 Jahre Burger Küchen

Burg (mg) l Burger Küchen ist einer der zehn größten Möbelhersteller Deutschlands. Die Firma wurde 1917 unter dem Namen Assmann und Sohn gegründet.

  • Gegen Ende der 80er gab‘s ersten Schnickschnack, zum Beispiel Drehkörbe für die Töpfe. Auch hier wurde die Spüle versteckt, und zwar unter einem Brett. Die Herdplatten kamen aus der Schublade. Foto: Burger Küchenmöbel

    Gegen Ende der 80er gab‘s ersten Schnickschnack, zum Beispiel Drehkörbe für die ...

  • Ein Werbeprospekt aus der Anfangszeit um 1920 samt Preisliste: Die Buffets waren damals reine Handarbeit. Damals hieß die Firma noch Assmann & Sohn. Foto: Burger Küchenmöbel

    Ein Werbeprospekt aus der Anfangszeit um 1920 samt Preisliste: Die Buffets waren damals reine Han...

  • In den 30ern war die Küche noch immer zweckmäßig eingerichtet. Foto: Burger Küchenmöbel

    In den 30ern war die Küche noch immer zweckmäßig eingerichtet. Foto: Burger Kü...

  • In den Jahren um 1950 bestand die Küche dann eher aus einzelnen Schrankelementen, dazu gab‘s einen Herd. Foto: Burger Küchenmöbel

    In den Jahren um 1950 bestand die Küche dann eher aus einzelnen Schrankelementen, dazu gab&#...

  • Um 1960 bestand die Küche schon aus vielen Elementen, die auch über Eck gestellt wurden – die klassische Anbauküche. Die Spülbecken fand man in einer Schublade. Foto: Burger Küchenmöbel

    Um 1960 bestand die Küche schon aus vielen Elementen, die auch über Eck gestellt wurden...

  • Gegen Ende der 80er gab‘s ersten Schnickschnack, zum Beispiel Drehkörbe für die Töpfe. Auch hier wurde die Spüle versteckt, und zwar unter einem Brett. Die Herdplatten kamen aus der Schublade. Foto: Burger Küchenmöbel

    Gegen Ende der 80er gab‘s ersten Schnickschnack, zum Beispiel Drehkörbe für die ...

  • Geschirrspüler, Dunstabzugshaube, ein Ofen auf Brusthöhe: Im Jahr 2005 bot die Küche einiges an Erleichterungen. Damals angesagt: das Kassettenmuster auf Türen und Schubladen. Foto: Burger Küchenmöbel

    Geschirrspüler, Dunstabzugshaube, ein Ofen auf Brusthöhe: Im Jahr 2005 bot die Küc...

  • Schon im Jahr 2010 war ein Trend zu erkennen, der sich bis heute fortsetzt: Die Küche wird auch als Wohnraum genutzt. Während die Vorspeise brutzelt, trinkt man mit den Gästen ein Glas Wein an der Kochinsel. Foto: Burger Küchenmöbel

    Schon im Jahr 2010 war ein Trend zu erkennen, der sich bis heute fortsetzt: Die Küche wird a...

Für die Schränke heute nimmt man zwar genau wie 1990 Holz – in Form von Span- oder von Faserplatten. Allerdings ist das Material wesentlich umweltfreundlicher. „Wenn man früher einen Schrank feucht abgewischt hat, hatte man gleich einen stechenden Geruch in der Nase.“

Und dann wäre da noch der technische Schnickschnack: Indirekte Beleuchtung, Dunstabzug nach unten, Schubladen, die sich beim Antippen öffnen. Schließlich ist die Küche heute nicht mehr nur zum Kochen da. „Seit einigen Jahren wird sie immer mehr zum Wohnraum“, erkärt Schockwitz. Die Kunden kaufen Kochinseln, an denen sie mit ihren Gästen plaudern, und Sideboards, die optisch ins Wohnzimmer überleiten. Das Lebensgefühl Küche lassen sich die Kunden auch etwas kosten, sagt er. „Sie geben heute mehr Geld für Küchen aus als früher.“ Doch woher kommt diese Entwicklung? „Ich glaube, die vielen Kochsendungen haben sehr dazu beigetragen.“