Magdeburg l Bevor der Cracauer Anger in Magdeburg in den 1990er Jahren zum Buga-Park umgebaut wurde, wurde dort rund 150 Jahre lang Militär in preußischen, deutschen und sowjetischen Uniformen gedrillt. Nach dem Zweiten Weltkrieg türmte sich der Trümmerschutt der Stadt auf dem Anger acht Meter hoch.

Einen besseren Platz für ein Friedensmonument kann sich Marcus Barwitzki, der in Schwerin Grafik-Design studierte und als Bildhauer und Grafiker tätig ist, nicht denken. Das Thema Frieden habe eine große gesellschaftliche Relevanz, und das besonders an dieser Stelle mit ihrer kriegsträchtigen Vergangenheit. „Es gibt wenige Städte in Europa, die diese Geschichte von Krieg und Zerstörung erlebt haben“, erklärt Barwitzki

Die Idee zur Friedensstele wurde bei einer internationalen Begegnung des Volksbundes 2014 in Halle geboren, sagt Landesgeschätsführer Jan Scherschmidt. Die Symbolik des daraus entstandenen Peace-Monument-Projektes ist vielschichtig. 2500 Kacheln werden an Säule und Sockel angebracht – in allen Farben des Regenbogens. 500 davon zeigen Gesichter von Friedensenthusiasten, 2000 im Sockel Friedenmotive.

Bilder

Regenbogen-Gedanken

Das Ergebnis wird die Form eines Maiskolbens haben, dazu kommt der sechs mal sechs Meter große Unterbau, der mit zwei verschränkten stilisierten Quadraten in verschiedenen Religionen für Friedenssehnsucht steht. Warum die Maiskolben-Form? „Mais ernährt die meisten Menschen auf der Erde“, erklärt Barwitzki, der bereits eine KZ-Mahnstätte in Mecklenburg-Vorpommern gestaltet hat. Mais werde zwar heute als gelbe Pflanze wahrgenommen, in ihrer Urform sei die Frucht aber vielfarbig gewesen, sagt Barwitzki. Deshalb werde ein buntes Mosaik entstehen, das dem Regenbogen-Gedanken folge und die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen soll.

Die Kacheln für das Denkmal werden indivduell auf Workshops in Deutschland und anderen Ländern Europas gestaltet. „Bei der Gestaltung der Kacheln kann jeder mitmachen“, sagt Barwitzki. Für die Kacheln mit den Gesichtern wird ein Gesichtsabdruck aus Ton gefertigt, es folgen die Gestaltung und das Brennen. Die Motive für die Symbol-Kacheln können die Friedensfreunde selbst kreieren, auf Ton übertragen und anschließend brennen. Alle Schmuckelemente seien hitze- und kältebeständig, versichert Barwitzki. 2500 Menschen – von Kindern bis zu Senioren – werden letztlich „Floris Pax“ mitgestaltet haben. Aus rund 20 Nationen kommen sie jetzt schon, durch weitere Workshops für die Friedensstele wird die Internationalität noch zunehmen.

Zwei Gesichter im Kachelmosaik sind Dieter Steinecke, Vorsitzender des Volksbundes Sachsen-Anhalt, besonders wichtig: Sie zeigen die Porträts der ukranischen Holocaust-Überlebenden Anastasija Gulej aus Kiew und Igor Malitzky aus Charkiv. Die Masken für die Kacheln wurden ihnen bereits 2015 abgenommen.

Zwangsarbeit in Deutschland

Malitzky überlebte als junger Mann die Konzentrationslager Theresienstadt und Mauthausen und das Vernichtungslager Auschwitz. Anastasija Gulej wurde als 15-Jährige zur Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik nach Deutschland geholt, nach einer gescheiterten Flucht wird sie nach Auschwitz und später nach Buchenwald und Bergen-Belsen depotiert.

Steinecke sah die Ukrainerin Ende Januar beim Holocaust-Gedenken in Auschwitz in der ersten Reihe sitzen – als eine der letzten noch lebenden Zeuginnen des Grauens. Der Volksbund-Vorsitzende: „Unsere Antwort auf Antisemitismus und Hass sind der Neubau der Synagoge in Magdeburg und der Friedensruf mit dem Peace Monument.“