Zeugenaufruf bei "Kripo live" Mysteriöser Mord in der Taubenstraße in Dessau: Polizei rollt Cold Case wieder auf
1994 wurde in Dessau ein 28-Jähriger aus dem Rotlichtmilieu eiskalt ermordet. Der Täter wurde nicht gefasst. Über 30 Jahre nach dem Mord rollt die Polizei den mysteriösen Cold Case wieder auf und bittet die Bevölkerung um Mithilfe.

Dessau/MZ. – 31 Jahre nach einem Mord auf offener Straße rollen Staatsanwaltschaft und Polizei in Dessau-Roßlau den Fall wieder auf.
Bereits am 3. Dezember 2025 erklärten beide Behörden in einer gemeinsamen Pressemitteilung, dass sich neue Ermittlungsansätze ergeben hätten.
Polizei sucht Hinweise nach Tod von Oliver F. in Dessau
Die Polizei gehe Angaben zufolge verschiedenen Spuren nach. Mit genaueren Details hält sich die Polizei jedoch bedeckt: "Weitere Auskünfte können dazu aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gegeben werden."
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Für die Ermittlungen sind auch Hinweise aus der Bevölkerung wichtig. Ein Zeugenaufruf in der "Kripo live"-Sendung vom 11. Januar 2026, soll helfen, an weitere Hinweise zu gelangen.
Wer kannte das Opfer persönlich? Wer kann Hinweise zu Oliver F.s Kontakten und Aufenthaltsorten in den Tagen und Stunden vor seinem Tod geben?
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Und, am wichtigsten: Wer hat in der Tatnacht von Samstag, 1. Oktober 1994, zum Sonntag, 2. Oktober 1994, in der Nähe der Wohnung des Opfers in der Taubenstraße verdächtige Beobachtungen gemacht?
Auch Hinweise aus dem damaligen Umfeld könnten für die Ermittler von entscheidender Bedeutung sein.
Hinweise nimmt die Polizei Dessau-Roßlau unter der Telefonnummer 0340/6000291 entgegen. Ferner ist die Polizei unter der E-Mail lfz.pi-de@polizei.sachsen-anhalt.de zu erreichen.
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Ungeklärter Mordfall: Was geschah am 2. Oktober 1994 in der Taubenstraße?
In der Nacht des 2. Oktober 1994 war in der Dessauer Taubenstraße die Leiche des 28-jährigen Oliver F. gefunden worden. F. wurde erschossen, sein Leichnam lag auf dem Bürgersteig vor seinem Wohnhaus, den er kurz vor der Tat offenbar zum Rauchen betreten hatte. Trotz einer damals sofort eingeleiteten Fahndung konnte die Polizei keinen Täter fassen.
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Oliver F. soll selbst kein unbeschriebenes Blatt gewesen sein. "Er bewegte sich im Umfeld der organisierten Kriminalität. Die Ermittlungen legen den Verdacht nahe, dass seine Kontakte im Rotlicht- und Drogenmilieu eine Rolle bei der Tat gespielt haben könnten", sagt eine Sprecherin der Dessau-Roßlauer Staatsanwaltschaft auf MZ-Anfrage. Es werde nicht ausgeschlossen, dass der Täter aus dem näheren Umfeld des Opfers stamme.

Drei Tage nach dem Mord, am 5. Oktober 1994, hatte die Mitteldeutsche Zeitung unter der Überschrift "Mann auf offener Straße erschossen – Mysteriöse Umstände begleiten Tod eines Dessauers" geschrieben, der Tod des Opfers müsse bereits gegen 1 Uhr nachts eingetreten sein.
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Die Polizei geht davon aus, dass die Tatwaffe möglicherweise ein Trommelrevolver ist, weil sich bisher in der Nähe des Tatorts keine Patronenhülse fand. Laut dem Dessauer Staatsanwalt Gerhards kam Oliver F. "durch einen Kopfschuss, der ihn direkt von vorn traf, ums Leben".
Mann in Dessau-Roßlau erschossen: Komplize des Opfers starb am Tag zuvor
Weiter berichtete die MZ damals, F. habe sich wegen eines Drogendelikts in Haft befunden und sei erst im August 1991 entlassen worden.
Die Polizei hatte ihm und zwei Mittätern bei einem fingierten Kokain-Deal eine Falle gestellt und alle drei verhaftet. Im Fahrzeug der drei Männer fanden Ermittler einen Revolver.
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Brisant: Einer der Mittäter starb nur einen Tag vor Oliver F., als sein Auto aus ungeklärter Ursache in Kochstedt um fünf Uhr morgens gegen einen Baum krachte.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Oliver F. und anderen Todesfällen in Dessau zu jener Zeit? Dazu äußerte sich die Staatsanwältin aktuell nicht. Auch dazu, welche Ansätze die Ermittler haben, schwieg sie, "um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden".