Magdeburg (dpa) l Jedes Jahr landen Tausende Tonnen Müll mit krankheitserregendem Asbest auf Sachsen-Anhalts Deponien. Zuletzt wuchs der Müllberg an, wie aus Zahlen des Magdeburger Umweltministeriums hervorgeht. 2018 wurden von allein in der Kategorie asbesthaltiger Baustoffe rund 15.000 Tonnen abgeladen. Das waren 5000 Tonnen mehr als vor zehn Jahren. Der Stoff darf wegen seiner Gesundheitsgefahr seit 1993 nicht mehr verwendet werden. Werden Gebäude, Lauben und Garagen aus früherer Zeit saniert oder abgerissen, muss er unter strengen Auflagen entsorgt werden.

Anders als bei den Baustoffen verzeichneten die Deponien bei den asbesthaltigen Dämmmaterialien einen extremen Rückgang. Vor zehn Jahren waren es noch fast 550 Tonnen, zuletzt nur noch 3,7 Tonnen.

Noch Millionen von Häusern mit Asbest

Asbest ist eine natürliche und feine Mineralfaser, die jahrzehntelang ein sehr beliebtes Material war. Das liegt nach Angaben des Umweltbundesamts an mehreren Eigenschaften: Asbest sei sowohl gegen Hitze als auch gegen Chemikalien unempfindlich, kostete wenig und war leicht verfügbar. Das Material sei daher noch heute deutschlandweit in Millionen Häusern zu finden. Das reiche von Welldächern über Rohre und Putz bis hin zu Fassaden- und Dachplatten.

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Das Problem: Beim Hantieren mit asbesthaltigem Material lösen sich die feinen Fasern sehr leicht. Gelangen sie über die Atemluft in den Körper, können sie gefährliche Krankheiten auslösen, zum Beispiel Lungenkrebs. Deswegen wurde die Verwendung auch verboten.

Das Umweltministerium rechnet damit, dass auch in den kommenden Jahren in Größenordnungen asbesthaltige Abfälle in Sachsen-Anhalt anfallen. Für nächstes Jahr prognostizieren sie eine Menge von rund 18.500 Tonnen, im Jahr 2025 sollen es mit 17.600 Tonnen kaum weniger sein. Diese müssen nicht zwingend im eigenen Land entsorgt werden, stellte eine Ministeriumssprecherin klar. Dafür lagert in Sachsen-Anhalt auch Asbestmüll aus anderen Regionen.

Vorsicht beim Umgang mit Asbest

Alte Asbeststoffe in Gebäuden müssen laut Ministerium nicht unbedingt entfernt werden. Es sei aber ratsam, Fachfirmen mit Abbruch oder Instandhaltung zu beauftragen. Denn im Umgang mit dem Material gilt es Einiges zu beachten. Gerade beim Bohren, Sägen oder Herausbrechen entstehe der gefährliche Faserstaub, sagte Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt. "Wenn Sie etwa ein Dach erneuern, dürfen Sie die Platten vorsichtig abschrauben, sorgsam abnehmen und verpackt zur Annahmestelle bringen."

In Sachsen-Anhalt landet Asbestmüll derzeit auf fünf Deponien: in Nißma (Burgenlandkreis), in Roitzsch (Anhalt-Bitterfeld), in Reesen (Jerichower Land), in Magdeburg sowie im altmärkischen Gardelegen.